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Seit 15 Uhr geht die Produktion weiter: Bochum: Bänder bei Opel laufen wieder

Seit 15 Uhr geht die Produktion weiter : Bochum: Bänder bei Opel laufen wieder

Bochum (rpo). Nach knapp einwöchigem Streik laufen die Bänder im Bochumer Opel-Werk wieder. Die Belegschaft stimmte am Mittwochmittag für die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Opel-Unternehmensleitung in Rüsselsheim begrüßte die Entscheidung und sprach ein Lob für den Umgang mit der "schwierigen Situation" aus.

Zuvor hatten sich nicht nur Vertreter der Arbeitgeberseite, sondern auch Gewerkschafter für ein Ende des Ausstands ausgesprochen. Die Produktionsausfälle in Bochum hatten die Opel-Fertigung in den Werken Rüsselsheim und Antwerpen zum Erliegen gebracht.

Detlef Wetzel von der IG-Metall-Bezirksleitung Nordrhein-Westfalen sprach am Nachmittag in Bochum von einem "guten Tag" für den Standort. Er sei froh, dass nach der grundsätzlichen Einigung zwischen Gesamtbetriebsrat und Opel-Management auf eine Verhandlungslösung nun ein "zweiter Schritt in die richtige Richtung" gemacht worden sei.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Werkes, Rainer Einenkel, räumte allerdings ein, dass es in den Diskussionen der vergangenen Tage innerhalb der Belegschaft große Differenzen über den richtigen Weg gegeben habe. Von den rund 6400 bei der Belegschaftsversammlung anwesenden Mitarbeitern stimmten nach Angaben des Betriebsrats 1700 für eine Fortsetzung der Arbeitsniederlegungen. Seit Donnerstag vergangener Woche hatten die Bochumer Beschäftigten wegen der Stellenstreichungspläne des Mutterkonzerns General Motors (GM) die Arbeit niedergelegt.

Die Opel-Geschäftsführung in Rüsselsheim äußerte in einer Mitteilung ihren "Respekt" vor der Abstimmung. Der weiteren Arbeit mit den Betriebsräten und der Bochumer Belegschaft werde nun "mit Zuversicht" entgegen gesehen. "Unser gemeinsames Ziel ist es, Bochum in Westeuropa und auch im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen", hieß es.

Ein Opel-Sprecher bezifferte den bisherigen Produktionsausfall in den Werken Bochum, Rüsselsheim und Antwerpen auf rund 5500 Fahrzeuge. Nach der Produktionsaufnahme im Bochumer Werk werde es allerdings noch rund 24 Stunden dauern, bis die anderen zwei Werke ebenfalls wieder Automobile montieren könnten.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, hatte am Mittwochmorgen die Bochumer Opel-Beschäftigten zur Rückkehr an die Produktionsbänder aufgefordert. Weitere wilde Streiks könnten zu einer Verschärfung des Konflikts zwischen Betriebsräten und Management führen, sagte Kannegiesser im Deutschlandfunk. Auch die Vizevorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane, hatte im gleichen Sender für eine "Protestpause" bei Opel plädiert.

GM will die Kosten europaweit deutlich senken und hat dazu die Streichung von 12 000 Stellen angekündigt. Der weitaus größte Teil des Arbeitsplatzabbaus soll auf die deutschen Werke Bochum und Rüsselsheim entfallen. Das Opel-Management und der Gesamtbetriebsrat hatten sich am Montag auf Verhandlungen verständigt, die eine Lösung ohne Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zum Ziel haben.

Clement erleichtert über Wiederaufnahme der Arbeit

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ist erleichtert über die Wiederaufnahme der Produktion im Bochumer Opel-Werk. Clement sagte am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Bundestages, er freue sich "von Herzen", dass in Bochum wieder die Bänder liefen. Damit sei der Weg frei für Verhandlungen, um das Unternehmen aus seiner "krisenhaften Zuspitzung" zu führen.

Clement äußerte die Hoffnung, dass ein Stellenabbau bei Opel ohne betriebsbedingte Kündigungen und in "sehr viel engeren Grenzen" als zunächst geplant vollzogen werden kann. Der vom US-Mutterkonzern vorgesehene Wegfall von 10 000 Stellen in Deutschland wäre eine "Katastrophe" für die Betroffenen und den Arbeitsmarkt in Deutschland.

Die Bundesregierung hoffe auch auf Erhalt aller deutschen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Die Arbeitsagenturen vor Ort stünden für sozialverträgliche Lösungen bereit. Die Bundesregierung stehe ferner in Gesprächen mit General Motors Europe und der schwedischen Regierung. Klar sei aber, dass die Verantwortung zur Überwindung der Krise beim Unternehmen liege.

Clement unterstrich, die Krise bei Opel und auch bei KarstadtQuelle hätten nichts mit dem Standort Deutschland zu tun. Ursächlich seien vielmehr frühere Managementfehler. In Opel habe sich das heutige Problem innerhalb langer Jahre aufgebaut. Die Zuspitzung bei Opel habe auch nichts mit dem Automobilstandort Deutschland zu tun, fügte Clement an. Dieser sei weiterhin der "beste und stärkste" der Welt.

Hier geht es zur Infostrecke: Oktober 2004: Proteste bei Opel

(afp)