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Blackberry verlässt die Intensivstation

Smartphone-Pionier will in die schwarzen Zahlen : Blackberry verlässt die Intensivstation

Der taumelnde Smartphone-Pionier Blackberry hat sich vorerst gefangen. "Alle Bereiche unseres Geschäfts machen sehr gute Fortschritte", sagte Firmenchef John Chen. Dank des Sparprogramms habe sich der Verlust deutlich verringert, die finanziellen Rücklagen seien gestiegen und das neue Smartphone Z3 verkaufe sich gut.

Unter Herausrechnung von Sonderkosten sei im abgelaufenen Quartal sogar ein Gewinn erwirtschaftet worden. Blackberry-Aktien legten 15 Prozent zu.

Branchenexperten zeigten sich erfreut, warnten aber vor Euphorie. "Die Zeiten, in denen man sich von Blackberry-Papieren besser trennen sollte, sind vorerst vorbei - aber wirklich nur vorerst", sagte Analyst Colin Gillis von BGC. Brian Colello von Morningstar erklärte, die Entwicklung mache zwar Hoffnung. Es sei aber weiter fraglich, ob Blackberry-Geräte auf lange Sicht End-Kunden begeistern könnten.

Der kanadische Konzern hat turbulente Zeiten hinter sich, in denen es auch ums nackte Überleben ging. Der Marktanteil der noch bis Ende 2013 vom Deutschen Thorsten Heins geführten Firma brach binnen weniger Jahre von 20 auf zwei Prozent ein.

Rivalen wie Samsung, Apple und Google sind enteilt. Blackberry strich 9500 Stellen, bat seine Kunden in einem offenen Brief um Treue, stellte sich zeitweise selbst zum Verkauf und setzte am Ende nach einer Milliarden-Spritze seines Großaktionärs doch auf eine eigenständige Zukunft.

Unter dem neuen Chef Chen wurden firmeneigene Immobilien verkauft und der Vorstand umgekrempelt. Zudem setzt er auf neue Strategien. Dazu gehört eine Allianz mit dem Zulieferer Foxconn, der auch Partner von Apple ist. Foxconn erhält seitdem für jedes verkaufte Blackberry eine bestimmte Summe Geld, trägt dafür aber Abschreibe-Risiken für nicht verkaufte Handys mit.

Nachdem es im Schlussquartal 2013 noch ein Verlust von 4,3 Milliarden Dollar gab, wies Blackberry am Donnerstag noch einen Fehlbetrag von 60 Millionen Dollar aus. Analysten hatten mit mehr gerechnet. Ohne Sonderkosten stand ein Netto-Gewinn von 23 Millionen Dollar, obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um ein Prozent auf 966 Millionen fiel. Die Brutto-Gewinn-Marge stieg hingegen von 33,9 auf 46,7 Prozent - Blackberry hat also pro verkauftem Handy brutto mehr Geld in der Kasse.

Die Rücklagen stiegen aufgrund der Einnahmen aus Immobilien-Verkäufen und einer Steuerrückzahlung von 2,7 auf 3,1 Milliarden Dollar. Auch lagen die Ausgaben nicht mehr so deutlich über den Einnahmen. Blackberry "verbrannte" nach eigenen Angaben noch 255 Millionen Dollar, nach 784 Millionen im Vorquartal. Für das Ende des Geschäftsjahres peilt Chen die Gewinnzone an.

Im Zuge der NSA-Abhör-Affäre will sich Blackberry wieder stärker als Anbieter für Geschäftskunden aufstellen, für die eine sichere Verschlüsselungstechnik besonders wichtig ist. Das klassische Geschäft mit Multifunktionshandys hat Chen auf den Prüfstand gestellt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist das neue Blackberry Billig-Smartphone

(REU)