Krankenhäuser mit Finanzproblemen: Billigtarife gefährden NRW-Kliniken

Krankenhäuser mit Finanzproblemen: Billigtarife gefährden NRW-Kliniken

Düsseldorf (RP). Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen bekommen 2010 etwas mehr Geld als im Vorjahr. Doch die Ungleichbehandlung zwischen den Ländern wird nicht beseitigt. Die Krankenkassen zahlen den NRW-Kliniken für jede Operation weniger Geld als Häusern in Bayern oder Rheinland-Pfalz.

So wird eine Mandel-Entfernung in NRW mit 2116 Euro vergütet, in Rheinland-Pfalz gibt es 165 Euro mehr. Im Durchschnitt erhalten NRW-Kliniken pro Fall in diesem Jahr 2895 Euro; in Rheinland-Pfalz liegt der "Basisfallwert" bei 3120 Euro, wie gerade beschlossen wurde.

Im vergangenen Jahr war der Unterschied noch größer. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) lobte daher, dass die Schere sich etwas geschlossen habe. "Der Einstieg in faire Entgelte ist geschafft", erklärte Laumann.

"Der Minister hat hier einiges erreicht", sagt auch Boris Augurzky, Gesundheitsexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Doch er beklagt, dass die Unterschiede noch immer deutlich ausfallen. Länder mit besser bedachten Häusern wie Bayern haben erreicht, dass folgender Satz im schwarz-gelben Koalitionsvertrag steht: "Bundeseinheitliche Preise (für Kliniken) werden abgelehnt." Deshalb fordert auch die hiesige Krankenhausgesellschaft: "Auf Dauer dürfen Krankenhausleistungen in NRW nicht schlechter bezahlt werden als in anderen Ländern", so Geschäftsführer Richard Zimmer.

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Die Folgen sind drastisch. Schon jetzt meldet jede vierte Klinik in NRW Finanzprobleme: Laut RWI sind zwischen Rhein und Weser zwölf Prozent der Häuser mittelfristig von Insolvenz bedroht, bei weiteren zwölf Prozent stehe die Ampel auf gelb. Bedroht seien kleinere Häuser (unter 200 Betten), die sich nicht spezialisiert haben, sondern einen "Gemischtwarenladen" anbieten, so Augurzky.

Der Chef der AOK Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs, sagt dagegen: "Die Kliniken in Nordrhein jammern auf höchstem Niveau." Sie seien einfach "in die Menge" gegangen. "In NRW wird viel zu schnell in die Klinik eingewiesen und stationär behandelt", sagte Jacobs unserer Redaktion. Das Ergebnis: Die Pro-Kopf-Ausgaben der Kassen liegen in NRW um vier Prozent über dem Bundesschnitt.

(RP)