Bau- und Dienstleistungskonzern: Bilfinger Berger erzielt Rekordergebnis

Bau- und Dienstleistungskonzern : Bilfinger Berger erzielt Rekordergebnis

Angesichts eines Rekordergebnisses im Jahr 2011 ist der Bilfinger-Berger-Vorstandsvorsitzende Roland Koch nach neun Monaten im Amt höchst zufrieden. "Das ist kein Ergebnis, das selbstverständlich ist", sagte der ehemalige hessische Ministerpräsident in Mannheim. Koch hatte im Juli den Vorstandsvorsitz übernommen.

Der Bau- und Dienstleistungskonzern steigerte das Ergebnis nach vorläufigen Zahlen um 39 Prozent auf 394 Millionen Euro. Die Leistung legte im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 8,48 Milliarden Euro zu. Koch plant mit einer offensiven Übernahmestrategie bis 2016 noch einige Zukäufe und will die einzelnen Unternehmensteile besser integrieren.

Am Ergebnissprung hatte der Verkauf der australischen Tochter Valemus maßgeblichen Anteil. Er trug mit über 160 Millionen Euro zum Ergebnis bei und hat deutliche Auswirkungen auf die liquiden Mittel des Konzerns. Deren Bestand betrug zum Jahresende 847 Millionen nach 537 Millionen Euro im Vorjahr.

Das Finanzpolster lässt Luft für weitere Zukäufe. Bereits im vergangenen Jahr kam Bewegung in das Bilfinger-Berger-Portfolio. Der MDAX-Konzern kaufte sich unter anderem mit der Übernahme von Neo Instructo in den indischen Markt ein. Koch sieht Indien als einen der zentralen Märkte und kündigte weitere Zukäufe an. "Das Interesse, den Fußabdruck zu erweitern, besteht eindeutig", sagte er.

Bilfinger Berger sieht "erhebliche Investitionsspielräume"

Aber auch auf anderen Märkten schaut sich Bilfinger Berger um.
Die liquiden Mittel eröffneten "erhebliche Investitionsspielräume zum weiteren Ausbau seiner Dienstleistungsaktivitäten". Bis 2016 sollen über eine Milliarde Euro vor allem für Zukäufe im Dienstleistungsgeschäft ausgegeben werden. Damit setzt Bilfinger Berger unter Koch die in den vergangenen Jahren vollzogene Wandlung hin zu einem Dienstleistungskonzern weiter fort. Mittlerweile machen Dienstleistungen 80 Prozent der Leistung aus.

Negativ entwickelte sich im vergangenen Jahr der Auftragseingang.
Er ging um zwei Prozent auf 7,78 Milliarden Euro zurück, der Bestand reduzierte sich um acht Prozent auf 7,83 Milliarden Euro. Das Unternehmen erklärt das mit einer regionalen Fokussierung des Baugeschäfts. Die Zahl der Mitarbeiter weltweit stieg um fast 1.000 auf 59.210.

Vor allem die Leistung im Industrieservice-Bereich legte 2011 mit einer Steigerung von zwölf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro deutlich zu. Auch das operative Ergebnis des Geschäftsfelds stieg mit zwölf Prozent deutlich.

Zwtl.: "Integration eine ganz wichtige Aufgabe"

Koch sieht sich an dem Erfolg des vergangenen Jahres nur minimal beteiligt. "Ich baue hier noch sehr auf die Stärke des Unternehmens und seiner Teile auf", sagte er mit Hinweis auf die Akquisitionsstrategie seines Vorgängers Herbert Bodner. Koch will sich jetzt auf die Integration konzentrieren. "Das Unternehmen ist in einer Phase, in der die Koordination der vielen Stärken eine ganz wichtige Aufgabe ist", sagte er.

Koch verwies auf die Strategie bis 2016, wonach Bilfinger Berger das Ergebnis verdoppeln und die Leistung um 50 Prozent steigern will. "Die Richtung stimmt auch für 2012", sagte er.

Für das laufende Jahr erwartet Bilfinger Berger eine Verschiebung der Schwerpunkte. Beim Industrieservice sei wegen der verhaltenen Aussichten der Prozessindustrie nur noch von einer leichten Zunahme der Leistung auszugehen. Die Marge aus dem operativen Geschäft soll allerdings gesteigert werden. Dafür würden die Serviceleistungen für Kraftwerke getrieben von einer hohen internationalen Nachfrage weiter nach oben gehen. Der Baubereich werde wie geplant nach dem Auslaufen eines Großprojekts zurückgefahren.

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Durch den Rückgang im Baubereich und den geplanten Verkauf von Anteilen am Nigeria-Geschäft werde die Leistung insgesamt im laufenden Jahr abnehmen. Bilfinger Berger rechnet aber mit einer Zunahme des Konzernergebnisses aus fortzuführenden Aktivitäten.

Die Börse quittierte die Zahlen und die Vorstellung der Pläne auf einer Pressekonferenz am Mittag mit einem Plus von zwei Prozent bis zum frühen Nachmittag. Die Anleger sollen mit einer Bonusdividende an dem guten Ergebnis beteiligt werden. Insgesamt sollen sie 3,40 Euro erhalten.

(APD)
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