Betriebsrat demonstriert in Wuppertal gegen Bayers Kahlschlag

Aufruhr in Wuppertal: Betriebsrat demonstriert gegen Bayers Kahlschlag

Für Montag ruft der Bayer-Betriebsrat in Wuppertal zu einer Demonstration gegen die geplante Schließung einer nagelneuen Fabrik und den Jobabbau auf. Der Betriebsrat akzeptiert die Abbauzahlen für Deutschland nicht.

Bevor Bayer-Mitarbeiter in Wuppertal am Montag gegen den Kahlschlag demonstrieren, versucht der Konzern-Chef, die Gemüter zu beruhigen. „Sicher ist: Es wird einen bedeutenden Anteil an Arbeitsplätzen in Deutschland betreffen, aber nicht die Mehrzahl der 12.000 Stellen, wie schon gemutmaßt wurde“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Soll heißen: An den deutschen Standorten kappt Bayer Tausende Jobs, aber auch nicht mehr als 6000. Insgesamt will der Konzern 12.000 seiner 118.000 Stellen streichen.

Um die Zahl der Arbeitnehmer, die in Deutschland gehen müssen, gibt es offenbar Streit zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern: „Die Abbauzahlen für Deutschland sind von den Betriebsräten noch nicht akzeptiert“, betonte Michael Schmidt-Kießling, Chef des Bayer-Betriebsrats in Wuppertal. „Hier sind noch weitere Beratungen nötig.“

Baumann betonte weiter, dass ein Drittel des Gesamtabbaus  „mit den ohnehin geplanten Synergien aus der Übernahme von Monsanto zusammenhängt“. In der Agrochemie (Crop Science) sollen  4100 Stellen wegfallen, wie Bayer am Donnerstag mitgeteilt hatte.  Abgesehen von den Synergien  habe der Abbau auch nichts mit dem Monsanto-Kauf zu tun.

Das sehen Mitarbeiter anders. „Jetzt müssen wir die Zeche für den Monsanto-Deal zahlen“, heißt es in der Belegschaft. Insbesondere Pharma-Mitarbeiter fürchten seit langem, dass der Deal zu ihren Lasten ihrer Sparte geht, wenngleich der Vorstand das stets zurückweist.

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Stark wird der Standort Wuppertal betroffen sein, wo Bayer eine nagelneue Fabrik schließen will.  Für Montagmittag hat der Betriebsrat dort zu einem Demonstrationszug aufgerufen - ungewöhnlich für die sonst eher friedliebenden Bayer-Betriebsräte. Den Vorzeigebetrieb für  den Wirkstoff Faktor VIII „nicht fortzuführen und die Arbeiten dort zu beenden, ist für alle Wuppertaler Beschäftigten ein unerwarteter Schock“, erklärte Schmidt-Kießling. „Die Betriebsräte verurteilen die irreversible Vernichtung von KnowHow und hoch-innovativen Arbeitsplätzen.“

Am Montag um 14 Uhr wird Baumann per Videobotschaft den Belegschaften den massiven Abbau erläutern. Personalvorstand Hartmut Klusik ist bei der Betriebsversammlung in Wuppertal - Bayer ist  bewusst, was für ein schlechtes Zeichen von der Schließung der  neuen 500-Millionen-Euro-Fabrik ausgeht.

In der nächsten Zeit ringen Konzern und Betriebsräte um die Konditionen des Abbaus. Der Schutz vor betriebsbedingter Kündigung in Deutschland, den Bayer bis Ende 2025 verlängert hat, gilt für alle Beschäftigten, „auch für diejenigen, die erst kürzlich an Bord gekommen sind“, betont Schmidt-Kießling. Als erster Betriebsrat nannte er auch Details: „Es gibt klare Signale zur Verbesserung der Konditionen für Frühruhestandsmaßnahmen (57+) oder Aufhebungsverträge mit Abfindungszahlungen (56-).“ Zugleich mahnte er zu Besonnenheit: „Für Hektik gibt es keinen Grund.“ Viele Vorgesetzte wüssten auch nicht mehr als die Mitarbeiter.

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