Benzin-Engpässe wegen niedrigem Rheinpegel: Tanklaster sollen sonntags fahren

Kampf gegen Benzin-Engpässe : Tanklaster sollen auch sonntags fahren

Binnenschiffe dürfen wegen Niedrigwasser im Rhein nicht mehr so viel Ladung aufnehmen. In Nordrhein-Westfalen gibt es Treibstoff-Engpässe. Bundes- und Landesregierung wollen helfen. Der ADAC gibt Autofahrern ganz praktische Tipps.

Die Bundesregierung hat Maßnahmen gestartet, um die Auswirkungen niedriger Pegelstände des Rheins auf die Treibstoffversorgung einzudämmen. Wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Montag mitteilte, habe man die Länder gebeten, von den Kontrollen der Sonn- und Feiertagsfahrverbote abzusehen. „Es müsse möglich sein, dass solche Transporte auch an Sonntagen zur Versorgung mit Benzin stattfinden können“, sagte der Sprecher. Im Ressort von Andreas Scheuer (CSU) geht man davon aus, dass das bereits ab kommendem Sonntag greife. Die Landesregierung teilte mit, dass man die Überlegungen prüfe.

Der Grund für den unüblichen Schritt sind Engpässe an zahlreichen Tankstellen in Nordrhein-Westfalen. Das seit Monaten anhaltende Niedrigwasser im Rhein sorgt dafür, dass Binnenschiffe nur wenig Ladung aufnehmen dürfen. Die Transporte von Heizöl, Diesel und Benzin dauern entsprechend länger und sind teurer. „An der Lage hat sich wegen der schwierigen Versorgung nichts geändert“, sagte  Detlev Brandburg, Sprecher von Aral, dem   Marktführer in Deutschland.

In Köln hatte eine Aral-Tankstelle an der Riehlerstraße am Sonntag zeitweise überhaupt keinen Sprit. Einem Kunden gelang es, eine freie Tankstelle in Mönchengladbach bei Super E5 leerzutanken. „Nach 14 Litern war Schluss, der Kassierer beglückwünschte mich, dann wurden mit Flatterband die Säulen für E5 abgesperrt“, sagte er. Bei Shell in Meerbusch waren die Tanks am Montag ganz leer. Eine Esso-Tankstelle im Norden von Düsseldorf hatte am Montag  kein Super und kein Super E10, eine weitere Filiale in  Düsseldorf Lichtenbroich schließt sich an. „Wir warten seit Tagen auf Lieferungen“, sagt ein Mitarbeiter.

Mittlerweile empfiehlt die Post als Betreiber des größten privaten Fuhrparks in Deutschland ihren Fahrern, häufiger zu tanken und schon bei halb vollem Tank nachzutanken, um kein  Risiko einzugehen. Die Ausfuhr der Weihnachtspakete sei aber nicht gefährdet, hieß es.

Der ADAC kritisierte hohe Treibstoffpreise. „Wir halten die Rekordpreise nicht für gerechtfertigt“, sagte Thomas Müther vom ADAC Nordrhein. Rohöl sei im Vergleich zu Anfang Oktober um rund 20 Prozent günstiger geworden, aber der Sprit sei so teuer wie seit Jahren nicht. Für einen Liter Super E10 mussten vergangene Woche laut ADAC 1,54 Euro bezahlt werden, im Januar waren es nur 1,35 Euro. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Mineralölkonzerne die Versorgungsschwierigkeiten vorschieben, um ihre Marge zu erhöhen“, sagte Müther.

Der Verband der Mineralölwirtschaft hält es noch nicht für nötig, weitere nationale Benzin- und Dieselreserven anzuzapfen. Die Lobbygruppe begrüßte es aber, dass der Bund es Tanklastern vorübergehend ermöglichen will, auch sonntags und feiertags zu fahren. „Wir hoffen auf die Zustimmung der Länder, insbesondere von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz“, sagte ein Sprecher. Den Vorschlag Tanklaster voller zu laden, lehnte die Bundesregierung ab. Der Ministeriumssprecher hielt es jedoch für möglich, den Einsatz von Zügen statt Schiffen zu stärken, sollte sich an der Situation nichts ändern. Die Grünen warfen der Bundesregierung vor, das Thema verschlafen zu haben. Fraktionsvize Oliver Krischer mahnte ein langfristiges Konzept zum Umgang mit Dürren an, da diese in den nächsten Jahrzehnten klimabedingt zunehmen würden.

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