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Schuhhersteller: Bei Ultrasonic sind weder Chef noch Geld auffindbar

Schuhhersteller : Bei Ultrasonic sind weder Chef noch Geld auffindbar

Chef weg, Geld weg: Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate sind bei einem an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen aus China wichtige Manager und die Firmenkasse verschwunden.

Der scheidende Finanzvorstand des Schuhherstellers Ultrasonic teilte am Dienstag mit, die Buchhaltung habe ihn informiert, dass "der ganz überwiegende Teil der liquiden Mittel (in Hongkong und in China) transferiert wurde und sich nicht mehr im Einflussbereich des Unternehmens befindet". Die deutsche Holding verfüge noch über einen sechsstelligen Euro-Betrag, erklärte Chi Kwong Clifford Chan, der am Freitag seinen Abschied zum Monatsende angekündigt hatte.

Die seit 2011 börsennotierte Ultrasonic-Aktie brach um 72 Prozent auf 1,80 Euro ein. Der Kontakt zu Vorstandschef Qingyong Wu und zu dem für das operative Geschäft verantwortlichen COO Minghong Wu sei seit dem Wochenende abgerissen. Beide seien nicht auffindbar. Am Freitag hatte es geheißen, der COO müsse ins Krankenhaus und lasse sein Amt für sechs Monate ruhen. Finanzvorstand Chan hatte gekündigt, weil er mehr Zeit bei seiner Familie in Hongkong verbringen wolle. Er sollte durch einen bisher für Amnesty International tätigen Manager ersetzt werden.

Die in Frankfurt gelisteten Unternehmen aus China haben in der Regel eine in Deutschland ansässige Holding, die operativen Gesellschaften befinden sich aber in China. Ähnlich wie bei Ultrasonic war es im Juli auch beim Verpackungs-Hersteller Youbisheng Green Paper gelaufen, dessen Deutschland-Holding ebenfalls in Köln sitzt. Dort war ebenfalls der Vorstandschef über Wochen verschollen, dem Finanzvorstand wurde der Zugang zu den Fabriken in China verweigert. Auch der als neuer Vorstandschef eingesetzte Bruder seines Vorgängers hatte wenig später seinen Rücktritt erklärt. Seit August hat bei der Kölner Youbisheng Green Paper AG Insolvenzverwalter Christoph Niering das Sagen. Die Deutsche Börse hatte jahrelang um Unternehmen aus China gebuhlt, die in Frankfurt an die Börse gehen wollten. Experten zufolge handelt es sich dabei oft um Firmen, denen die Behörden im eigenen Land einen Börsengang nicht genehmigt hatten und die deshalb nach Deutschland ausweichen. Bei dem Listing steht meist nicht der Emissionserlös im Vordergrund, sondern ein leichterer Zugang zu Bankkrediten in China.

(REU)