Bei Eurowings, Ryanair und Condor häufen sich Klagen

Probleme im Luftverkehr: 7745 Beschwerden gegen Airlines

45 Prozent mehr Passagiere haben sich wegen Verspätungen im Luftverkehr bei einer Schlichtungsstelle beschwert. Der Vorteil dieses Vorgehens: Die Entschädigung landet ganz beim Passagier statt bei einer privaten Beratungsfirma.

Die vielen Verspätungen im europäischen Flugverkehr haben zu einer massiven Zunahme an Beschwerden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) geführt. Dies gab die von der Bundesregierung anerkannte Institution am Donnerstag in Berlin bekannt. Danach sprang die Zahl der Kunden, die sich über eine Airline beschwerten, weil diese für eine Verspätung oder einen Flugausfall keine oder zu wenig Kompensation zahlen wollte, um 45 Prozent auf 7745 Fälle im ersten Halbjahr an.

Von Januar bis März wurden die Vorjahreszahlen nur leicht überschritten. Doch im Mai sprang die Zahl der Eingaben von 720 im Vorjahr auf 1354 Fälle, im Juni sogar von 780 Fällen auf 2074.

Für den starken Anstieg der Fallzahl seien „ganz sicher auch die bereits seit einigen Monaten auftretenden Unregelmäßigkeiten im nationalen und europäischen Luftverkehr verantwortlich“, stellte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe fest. „Die Kunden spüren die negativen Folgen der zahlreichen Flugverspätungen und Flugannullierungen hautnah und verlangen auf Basis der europäischen Passagierrechte dafür einen finanziellen Ausgleich.“

Dabei habe eine Reihe von Problemen zu den vielen Verspätungen und Stornierungen geführt. Die Airlines weisen darauf hin, dass Engpässe bei der Flugsicherung dazu führen, dass aus kleineren Verzögerungen größere Verspätungen werden. Das läge daran, weil die Flugsicherung zu wenig Personal hat, um Jets flexibel durch den Luftraum zu leiten. Immer wieder neue Streiks von Fluglotsen in Frankreich und Italien provozierten gerade an den Wochenenden viele Flugausfälle. Außerdem meldeten die Fluggesellschaften ungewöhnlich viele Unwetter – dann werden Jets häufig umgeleitet.

Die Pleite von Air Berlin hat die Krise weiter verschärft: Weil mehr als 50 Jets inklusive Mannschaften bei Eurowings neu integriert werden müssen, fielen bei der Lufthansa-Tochter massenhaft Flüge aus – bei Laudamotion (Ryanair) und Condor war die Lage nicht viel besser.

  • Zahlen der Schlichtungsstelle : Beschwerden über Flugreisen nehmen drastisch zu

Besonders betroffen von Verspätungen war der Airport Düsseldorf. Der Hauptgrund: Eurowings hat in der NRW-Hauptstadt die mit Abstand größte Zahl an Flugzeugen stationiert. Außerdem hat Düsseldorf besonders knappe Kapazitäten gemessen an der Nachfrage nach Flugrechten.

Die SÖP meint, sie würde häufiger angerufen, weil ihre Bekanntheit gestiegen sei. Die Schlichtungsquote, das ist der Anteil der Fälle mit einer verbindlichen Streitbeilegung, erhöhte sich im ersten Halbjahr bei den Fluggesellschaften auf 81 Prozent (Gesamtjahr 2017: 76 Prozent) und bei der Bahn auf 80 Prozent (2017: 73 Prozent). Rund 360 Verkehrsunternehmen beteiligen sich an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren. Im Bahnverkehr gab es von Januar bis Juni 1473 Anträge auf Schlichtung – also deutlich weniger als im Luftverkehr.

Der Vorteil der Schlichtungsstelle im Gegensatz zu Klagefirmen wie EU-Claim oder Flightrigt ist, dass die Kunden eine mögliche Entschädigung komplett behalten dürfen. Wenn sie sich dagegen von den privaten Unternehmen vertreten lassen, wollen diese mindestens 20 Prozent der Entschädigung für sich.

Aus diesem Grunde rät der Bundesverband der Verbraucherzentralen geschädigten Fluggäste dazu, es auf eigene Faust zu versuchen und die SÖP bei Ärger mit einer Airline einzuschalten.

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