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Bei Eurowings drohen neue Streiks nach Warnstreik am Freitag

Gezielter Streik vor Herbstferien : Bei Eurowings drohen neue Streiks

Völlig überraschend legten Flugbegleiter der Lufthansa-Tochterfirma Eurowings in NRW die Arbeit am Freitag nieder. Damit wollen sie Druck bei den Verhandlungen machen. Der Streit könnte sich bis in die Herbstferien hinziehen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat an den Flughäfen Düsseldorf, Köln-Bonn und Dortmund am Freitag ohne Vorwarnung einen Warnstreik von Flugbegleitern bei Eurowings organisiert. Allein in Düsseldorf, dem Hauptflughafen des Lufthansa-Ablegers, mussten rund 20 Flüge abgesagt werden, darunter nach Venedig, Nizza, Krakau und München. In der NRW-Hauptstadt hatten laut Verdi rund 80 Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen beim Arbeitskampf mitgemacht, in Köln waren es rund 30, in Dortmund vier.

Mit dem Warnstreik will Verdi Druck machen, um nach der Zeit der Corona-Krise einen akzeptablen Tarifabschluss zu erreichen. Die Gewerkschaft kritisiert, dass Eurowings bisher kein vernünftiges Angebot gemacht habe. „Wir reagieren auf die Verweigerungshaltung des Arbeitgebers“, sagt unserer Redaktion der zuständige Verdi-Sekretär Marvin Reschinsky. Es reiche nicht aus, dass der Lufthansa-Ableger eine Einmalzahlung für 2023 anbiete, als Ausgleich der Inflation sei mehr nötig.

Er sagt, dass Streiks während der Herbstferien denkbar seien, wobei er aber auch betonte, dass Verdi eigentlich eine Einigung anstrebe. Die Herbstferien in NRW beginnen am 9. Oktober, viele Familien fliegen schon am 8. Oktober zu Zielen am Mittelmeer.

Ein Sprecher von Eurowings erklärte, man erwarte für die Schulferien eher keinen Arbeitskampf. Der Warnstreik, der von 4.30 Uhr früh bis zehn Uhr früh ging, sei „unverhältnismäßig“ gewesen. Am Montag kommen Vertreter von Eurowings und von Verdi zusammen, um über den Tarif zu reden. Ein Firmensprecher sagt: „Wir sind zuversichtlich, eine Lösung mit Verdi zu finden.“

Es sei gelungen, die vom Streik betroffenen Passagiere fast alle an ihr Ziel zu bringen, wobei der Mutterkonzern Lufthansa geholfen habe.

Für Unmut unter der Belegschaft sorgte, dass sie zwar auf etwas Lohn verzichten, damit Eurowings die Corona-Krise durchsteht, doch in einem Medienbericht war von neuen Gewinnen im Unternehmen die Rede. Damit war aber wahrscheinlich nur das operative Geschäft im Sommer gemeint, denn unter Berücksichtigung des katastrophalen Umsatzes im Frühjahr und Winter 2020/2021 steht praktisch fest, dass Eurowings dieses Jahr hohe Verluste machen wird.

Das Kölner Unternehmen beschäftigt 3500 Mitarbeiter. Einige hundert Beschäftigte werden aktuell neu eingestellt, laut Verdi zu Anfangsgehältern von rund 1800 Euro. Eurowings-Insider meinen aber, es kämen Zulagen bei absolvierten Flügen dazu.