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In den USA, Indien und Chile: Behörden: Dreamliner müssen am Boden bleiben

In den USA, Indien und Chile : Behörden: Dreamliner müssen am Boden bleiben

Der Dreamliner wird für Boeing immer mehr zum Desaster: Weltweit ziehen nun die Luftfahrtbehörden Konsequenzen aus der Pannenserie. In den USA, Indien, Europa, Japan und Chile müssen die Flugzeuge vorerst am Boden bleiben.

Nach der jüngsten Pannenserie beim sogenannten Dreamliner hat die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA alle Maschinen des Typs Boeing 787 vorübergehend aus dem Verkehr gezogen - und hat damit eine weltweite Kettenreaktion ausgelöst. Sämtliche Maschinen in den USA müssten wegen der zuletzt mehrfach aufgetretenen Probleme mit den Bordbatterien systematisch überprüft werden, ordnete die Behörde an. Das Startverbot soll demnach gelten, bis alle Risiken ausgeräumt sind. Im japanischen Takamatsu musste erneut ein Dreamliner außerplanmäßig landen, weil es Probleme mit der Maschine gab.

Nach den USA ordneten weitere Behörden an, die Dreamliner aus dem Verkehr zu ziehen: Auch in Europa müssen die Flugzeuge vorerst am Boden bleiben. Und nicht nur hier. Auch Air India verfügt über sechs Maschinen des amerikanischen Vorzeigefliegers, die indische Luftfahrtbehörde ordnete ein Startverbot an. Nach einem Bericht der britischen BBC kündigte auch die chilenische Fluggesellschaft LAN an, alle Dreamliner-Flüge nach Absprache mit der nationalen Luftverkehrsbehörde zu streichen.

Die amerikanischen Behörden werden eng mit dem US-Hersteller Boeing und den amerikanischen Fluggesellschaften zusammenarbeiten, damit der Luftverkehr "so schnell und sicher wie möglich" wieder aufgenommen werden könne, hieß es in der Mitteilung. Momentan könnten Brände durch Batteriedefekte nicht ausgeschlossen werden. Zwar ist United Airlines zurzeit die einzige US-Gesellschaft, deren Piloten den Dreamliner fliegen, und verfügt insgesamt nur über sechs Maschinen des Typs 787. Doch auch wenn das Startverbot nur für amerikanische Fluggesellschaften gilt, richten sich die Behörden in anderen Teilen der Welt meist nach dem Land, in dem das Flugzeug gefertigt wird.

Bislang wurden weltweit 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon nach Japan. Insgesamt hat Boeing für seinen neuesten und technisch anspruchsvollen Flieger fast 800 Aufträge von Airlines aus aller Welt erhalten. Nun drohen möglicherweise Produktionsverzögerungen.

Aktie gibt nach

Boeing-Chef Jim McNerney gab sich trotzdem zuversichtlich, dass der Dreamliner sicher ist. Man wolle so schnell wie möglich Antworten auf die Probleme finden. Der Boeing-Aktie half dies wenig. Sie gab nachbörslich zwei Prozent nach. Moody's teilte bereits mit, die Vorfälle seien negativ für die Kreditwürdigkeit des US-Unternehmens, würden aber noch keine Herabstufung auslösen. Die Probleme bei Boeing könnten den Wettbewerb mit Airbus beeinflussen. Die EADS -Tochter hatte vor rund einem Jahr mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Damals ließen ein Triebwerksbrand sowie Haarrisse in den Tragflächen das Vertrauen in den Riesen-Flieger A380 schwinden.

Batterieflüssigkeit sickert bis zur Bordwand durch

FAA-Aufseher Michael Huerta und US-Verkehrsminister Ray LaHood hatten den Dreamliner trotz mehrerer Pannen vor wenigen Tagen noch für flugtauglich erklärt. Der Sinneswandel kam nachdem eine Boeing 787 der All Nippon Airways (ANA) am Mittwoch im japanischen Takamatsu notlanden musste, weil eine schmorende Batterie zu Brandgeruch an Bord geführt hatte. Das japanische Verkehrsministerium bewertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. ANA und Japan Airlines strichen daraufhin bis Donnerstag alle Flüge mit ihren 24 Dreamlinern.

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Bei einer näheren Untersuchung stellten die japanischen Behörden fest, dass entflammbare Flüssigkeit aus der Lithium-Ionen-Hauptbatterie unter dem Cockpit ausgetreten war. Sachverständige fanden zudem Brandspuren. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtete unter Berufung auf das Verkehrsministerium, dass die Flüssigkeit durch die Bodenabdeckung hindurch bis an die Außenseite des Fliegers gelangt sei.

Der Chefingenieur des Dreamliners, Mike Sinnett, hatte vergangene Woche noch betont, dass die Flugzeugbatterien über 1,3 Millionen Stunden hinweg getestet worden seien und niemals Schwierigkeiten gemacht hätten. Zudem gebe es gleich mehrere Sicherheitsmechanismen, damit "Batterieversagen nicht das ganze Flugzeug in Gefahr bringt".

Drohen nun Produktionsverzögerungen?

Die Lösung der jüngsten Probleme könnte Boeing nun vor größere Probleme stellen. Eigentlich wollte das US-Unternehmen die Fertigung bis Ende des Jahres von derzeit fünf auf zehn Maschinen im Monat ausbauen, um den Auslieferungsstau abzubauen. Ob dies nun gelingt, ist offen.

Der erst 2011 in Dienst gestellte zweistrahlige Dreamliner ist das prestigeträchtigste Projekt des amerikanischen Airbus-Konkurrenten. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch - ein Hauptgrund für die große Nachfrage. Allerdings kam es schon vor der Premiere immer wieder zu technischen Problemen. Schon 2012 waren mehrmals technische Probleme gemeldet worden, zuletzt sorgten dann binnen kürzester Zeit Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und ein weiterer Batteriebrand für Aufsehen. Betroffen war in allen Fällen die Fluggesellschaft All Nippon Airways, die alleine ein Drittel aller bislang ausgelieferten Dreamliner betreibt.

Die Probleme bei der Boeing 787 sollen nach bisheriger Darstellung des Unternehmens allerdings nicht gravierender sein als die Kinderkrankheiten der 777 Mitte der 1990er Jahre - und dieser Typ ist inzwischen ein Verkaufsschlager.

Hier geht es zur Bilderstrecke: September 2011: "Dreamliner" Boeing 787 in Tokio gelandet

(APD, dpa, reuters/rm)