Bayer vor Gericht: Richter rügt Kläger-Anwälte im Glyphosat-Prozess

Bayer auf der Anklagebank : Richter rügt Kläger-Anwalt im Glyphosat-Prozess

Der Prozess Ed Hardeman gegen Bayer startet mit einem Eklat. Rückenwind für Glyphosat bekommt Bayer aus Brasilien. Am Mittwoch legt der Konzern seine Bilanz vor. Die Dividende für 2018 soll unverändert 2,80 Euro je Aktie betragen.

Der Prozess  Ed Hardeman gegen Bayer  hat turbulent begonnen. Die Auseinandersetzung vor Gericht gipfelte darin, dass Richter Vince Chhabria der Klägerseite mit Sanktionen drohte. Die Anwältin von Hardeman, der den Glyphosat-haltigen Unkrautvernichter Roundup für seine Krebs-Erkrankung verantwortlich macht, habe sich nicht an die Prozessordnung gehalten, sondern sei gezielt vom festgelegten Thema abgewichen, rügte der Richter. Er hatte im Januar entschieden, das Verfahren in zwei Teile zu trennen. Im ersten Teil geht es darum, ob Glyphosat krebserregend ist. Nur wenn die Klägerseite dies belegen kann, wird im zweiten Teil die Frage verhandelt, ob Monsanto Risiken verschwiegen hat. Die Anwältin habe sich in ihrem eröffnenden Statement aber nicht an diese Linie gehalten. Chhabria verdonnerte sie, noch im Laufe des Tages eine schriftliche Erklärung zu ihrem Verhalten abzugeben.

Für Bayer geht es in San Francisco um viel. Denn beim Fall Hardeman handelt sich um einen so genannten „Bellwether Fall“, der richtungsweisend für Hunderte weitere Klagen ist. Insgesamt ist Bayer mit rund 9300 US-Klägern konfrontiert, Hunderte Fälle davon sind Richter Chhabria in einem Massenverfahren San Francisco gebündelt. Der 70-jährige Kläger beschuldigt Monsanto nicht nur, mit Roundup seine Krebserkrankung verursacht zu haben. Er wirft dem Konzern auch vor, die Gefahren des Produkts vertuscht zu haben.

Bayer hatte im vergangenen September eine Niederlage in einem anderen Fall vor US-Gericht erlitten, legte dagegen aber Berufung ein und weist die Anschuldigungen, Roundup sei krebserregend, energisch zurück. „Während wir großes Mitgefühl mit Herrn Hardeman haben, unterstützt die umfangreiche wissenschaftliche Forschung zu glyphosat-basierten Herbiziden über vier Jahrzehnte hinweg die Schlussfolgerung, dass Roundup nicht für seine Krankheit verantwortlich ist“, teilte Bayer in einer Stellungnahme zum Prozessauftakt mit. Der Konzern beruft sich auf über 800 Studien, die belegen sollen, dass der Unkrautvernichter bei vorschriftsgemäßer Anwendung sicher ist. Hardemans Anwälte stützen sich ebenfalls auf diverse Studien.

Rückenwind bekam Bayer am Dienstag aus Brasilien: Experten der brasilianischen Gesundheitsbehörde Anvisa stufen Glyphosat als nicht-krebserregend ein. Die Fachleute legten ihre Einschätzung den Direktoren der Behörde vor. Damit dürfte der Weg für einen weiteren Einsatz des Unkrautvernichters in dem südamerikanischen Land frei sein. Allerdings werden Beschränkungen für das Mittel empfohlen, wie die Einhaltung von Sicherheitsabständen zu Siedlungen.

Am Mittwoch wird Bayer den aktuellen Stand der Klagen verkünden, es wird erwartet, dass die Zahl deutlich über 10.000 gestiegen ist. Zugleich will der Konzern seine Bilanz für 2018 vorlegen. Der Aufsichtsrat empfahl bereits am Dienstag, eine Dividende von 2,80 Euro je Aktie zu zahlen. Damit bliebe die Dividende gegenüber dem Vorjahr unverändert. „Wir wollen auch in diesem Jahr unsere Aktionäre angemessen am Erfolg von Bayer beteiligen und streben aufgrund der höheren Aktienzahl damit insgesamt eine neue Rekordausschüttung an“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann. Insgesamt schüttet Bayer 2,6 Milliarden Euro an seine Eigentümer aus. Die Hauptversammlung findet am 26. April 2019 statt.

(anh/dpa/rtr)
Mehr von RP ONLINE