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Bayer: US-Richter lehnt Glyphosat-Deal ab - Unternemen prüft Ausstieg

Schwerer Schlag für Bayer : US-Richter lehnt Glyphosat-Deal ab

Für den Chemiekonzern geht der Albtraum Monsanto weiter: Richter Chhabria lehnt den Deal zu künftigen Klagen als „unvernünftig“ ab. Nun prüft Bayer, den Verkauf von Glyphosat an Privatkunden zu stoppen.

Bayer musste mit allem rechnen. Und am Ende fällte ein US-Bundesrichter die für den deutschen Konzern schlechteste Lösung: Vince Chhabria lehnte eine Vereinbarung zum Umgang mit künftigen Glyphosatklagen ab, mit der Bayer endlich einen Schlussstrich unter die nicht enden wollenden Milliarden-schweren Rechtsstreitigkeiten setzen wollte. Teile von Bayers Plänen seien „klar unvernünftig", heißt es in dem Beschluss von Chhabria.

Der Leverkusener Konzern reagierte schockiert: „Die Entscheidung macht es unmöglich, den vorgeschlagenen nationalen Lösungsmechanismus unter der Aufsicht dieses Gerichts weiterzuentwickeln, der die fairste und effizienteste Lösung für alle Parteien gewesen wäre“, teilte er mit.

Nun versucht Bayer, mit einem Fünf-Punkte-Plan aus der Krise zu kommen. Wichtigster Punkt: Der Konzern prüft, den Verkauf des glyphosathaltigen Mittels Roundup an Privatkunden zu stoppen. Zehntausende Nutzer machen den Unkrautvernichter für ihre Krebserkrankung verantwortlich.

Bayer werde umgehend mit Partnern über die Zukunft von Glyphosat-basierten Produkten auf dem US-Privatkundenmakt diskutieren, da die überwiegende Mehrheit der Kläger behaupte, Roundup für Privatzwecke verwendet zu haben, teilte der Konzern mit. An Landwirte und professionelle Nutzer werde man Glyphosat hingegen weiter verkaufen. Bayer hatte diesen Schritt schon einmal geprüft, aber zunächst verworfen. Glyphosat ist das zentrale Produkt des US-Konzerns Monsanto, den Bayer 2018 übernommen hatte, und steht für einen Milliarden-Umsatz.

Bayer prüfe zudem sein Vorgehen bei Vergleichen von aktuellen Klagen. Man sei weiter offen für Vergleichsverhandlungen und wolle die Klagen gütlich beilegen. Allerdings behalte man sich vor, „regelmäßig zu prüfen, ob dieser Ansatz noch im besten Interesse des Unternehmens ist." Für potenzielle künftige Klagen zu Roundup prüfe Bayer andere Lösungen, hieß es nur.

Zudem will der Konzern eine Internetseite einrichten, über die sich Verbraucher über das Mittel informieren können, und  ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium schaffen, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Sicherheit des Mittels überprüft.

Ob das die Anleger überzeugt, ist fraglich. Die Bayer-Aktie gab am Donnerstag zeitweise um über fünf Prozent nach und fiel auf 52 Euro. Vor der Monsanto-Übernahme hatte der Kurs bei 100 Euro gelegen. Das Rekordhoch von 140 Euro ist ohnehin in weiter Ferne.

Im Sommer 2020 hatte Bayer 125.000 Klagen gemeldet. Davon wurden bereits 96.000 verglichen oder entsprachen nicht den Kriterien, die zur Teilnahme am Vergleich berechtigen. Daneben ist mit künftigen Klagen zu rechnen – und um den Umgang mit diesen ging es nun. Für die Beilegung künftiger Klagen wollte Bayer zwei Milliarden Dollar zurücklegen. Für bestehende Klagen wendet der Konzern bis zu 9,6 Milliarden Dollar auf, so dass die Belastung insgesamt bei bis zu 11,6 Milliarden Dollar liegen sollte. Doch mit diesem Plan lässt Chhabria den Konzern nicht davonkommen. Für Bayer und Konzernchef Werner Baumann geht der Albtraum Monsanto weiter.