Bayer-Tochter spionierte Kritiker aus

Neuer Ärger um Monsanto : Bayer-Tochter spionierte Kritiker aus

Das 2018 von Bayer übernommene US-Unternehmen Monsanto ließ auch in Deutschland Kritikerlisten anlegen, vermutet Bayer-Aufklärer Matthias Berninger. Frankreichs Justiz ermittelt bereits.

Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto wird zu einem Desaster für Bayer.  Während die mittlerweile 13.400 Glyphosat-Klagen den Konzern bereits in Atem halten, tauchen nun noch Kritikerlisten auf, die Monsanto im Jahr 2015 hatte anlegen lassen. In Frankreich hat die Justiz Vorermittlungen gestartet. „Ich gehe davon aus, dass weitere Länder in Europa betroffen sind, auch Deutschland“, sagte Matthias Berninger am Montag vor Journalisten. Er war früher Grünen-Politiker und wurde von Bayer als Leiter des neu geschaffenen Bereichs Public Affairs mit der Aufarbeitung der Fälle beauftragt.

In Frankreich sollen auf der Liste rund 200 Kritiker von Monsanto stehen – Wissenschaftler, Aktivisten,  Journalisten und Politiker wie die frühere Umweltministerin Segolene Royal. Sie sollten offenbar überwacht und beeinflusst werden, „damit Monsanto öffentliche Debatten gewinnt“, sagte Berninger. In Frankreich haben Medienhäuser bereits Klagen angekündigt. „Monsanto hat nicht den Ball gespielt, sondern auf den Mann oder die Frau“, räumte Berninger ein. „Das ist nicht in Ordnung, das entspricht nicht den Werten, für die Bayer steht, womöglich war es sogar illegal“, so der Bayer-Aufklärer. „Ich bitte um Entschuldigung.“ Erneut sagte der Konzern Aufklärung zu. So soll eine externe Kanzlei mit der Aufarbeitung beauftragt werden. Diese soll den in den Listen aufgeführten Personen Auskunft geben, welche Informationen von ihnen gespeichert sind.

An der Erstellung der Spitzellisten war offenbar die Kommunikationsagentur FleishmanHillard beteiligt.  Sie betonte, man habe den Gepflogenheiten der Branche entsprechend und gesetzeskonform gehandelt. Monsantos Vertrag mit FleishmanHillard habe sich auf ganz  Europas erstreckt, so Berninger. Daher gehe er davon aus, dass neben Frankreich auch andere Länder betroffen seien.

Bayer hatte den US-Konzern 2018 für 59 Milliarden Euro übernommen. Monsanto galt wegen seiner ruppigen Methoden als Unternehmen mit dem schlechtesten Ruf der Welt. Großaktionäre wie die Deka oder Union Investment warnen seit langem vor den hohen Reputationsrisiken, die sich Bayer damit eingekauft hat. Bayer tilgte zwar umgehend den Namen Monsanto, und Bayer-Chef Werner Baumann  versicherte, man werde die neue Tochter nach Bayer-Maßstäben führen. Doch schneller als erwartet holt den Konzern nun die schmutzige Vergangenheit von Monsanto ein.

Der Mann, der für Bayer den Fall aufklären soll, war früher Grünen-Staatssekretär, später wechselte er zum Schokoriesen Mars. Seit Januar ist Berninger bei Bayer. Er sei auch weiterhin Grüner und von Bayers Strategie überzeugt: „Bayer kann viel für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen tun“, sagte Berninger.

Das sehen Kritiker wie die Glyphosatkläger naturgemäß anders. Aktuell wartet die Branche auf das Urteil im Prozess des krebskranken US-Ehepaares Pilliod gegen Bayer. Ihr Anwalt hat eine Milliarde US-Dollar an Schadenersatz gefordert. Nun berät die Jury.

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