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Bayer: Glyphosat-Kläger einigen sich mit AG

Höherer Schadenersatz : Bayer einigt sich mit Glyphosat-Klägern

Die Beilegung der Glyphosat-Klagen in den USA kosten den Chemiekonzern jetzt bis zu 11,6 Milliarden Dollar. Künftigen Klägern steht der Rechtsweg weiterhin offen. Das soll Richter Vince Chhabria überzeugen.

Aufatmen in Leverkusen: Nach Jahre langem Streit kann sich der Bayer-Konzern nun doch mit den Glyphosat-Klägern in den USA einigen. „Bayer hat eine formelle Einigung mit Klägeranwälten erreicht, um künftige Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat beizulegen“, teilte der Konzern mit. Die Klägeranwälte haben demnach am Mittwoch den Antrag auf vorläufige Genehmigung des entsprechenden „Class Settlement Agreements“ bei Richter Vince Chhabria eingereicht. Dieser war für Bayer zuletzt die größte Hürde im Glyphosat-Streit.

125.000 Kläger machen den Unkrautvernichter Glyphosat, mit dem der übernommene Monsanto-Konzern Jahre lang gute Geschäfte gemacht hatte, für ihre Krebserkrankung verantwortlich. Mit einem Großteil von ihnen hatte sich Bayer im Juli geeinigt und war davon ausgegangen, dass für den Vergleich und mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig werden. Dabei hatte Bayer für künftige Klagen zunächst vorgeschlagen, dass ein Gremium aus Wissenschaftlern entscheidet. Diese Beschneidung richterlicher Macht und Klagerechte ließ Chabria aber nicht mit sich machen. Er ließ den deutschen Konzern abblitzen. In mühsamen Verhandlungen haben Konzern und Klägeranwälte in den vergangenen Monaten einen neuen Kompromiss erarbeitet. Über den muss Chhabria nun entscheiden.

Kernpunkt ist die Einrichtung eines Fonds, aus dem künftige Kläger zunächst in den nächsten vier Jahren Kompensationszahlungen erhalten sollen, und die Schaffung eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums. Dessen Erkenntnisse sollen aber nicht rechtlich bindend sein, sondern können in künftige Gerichtsverfahren nur als Beweismittel einfließen. Mit anderen Worten: Auch künftigen Glyphosat-Klägern steht der Gang vor die Gerichte weiterhin offen. Das ist genau das, was Chhabria gefordert hatte. Das wissenschaftliche Gremium, das Bayer einsetzen möchte, kommt - es ist aber Zierde und nicht Entscheider.

Bayer legt für die künftigen Kläger nun zwei Milliarden Dollar auf den Tisch. Im Sommer war man zunächst von 1,25 Milliarden ausgegangen. Damit kostet Bayer die gesamte Glyphosat-Einigung jetzt bis zu 11,6 Milliarden Dollar. Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto hatte bereits 63 Milliarden Dollar gekostet.

Zugleich verpflichtet sich der Konzern zu mehr Transparenz: „Im Rahmen der Maßnahmen für mehr Transparenz und Zugang zu Glyphosat-Studien will Bayer die Genehmigung der US-Umweltbehörde EPA für einen Link auf den Etiketten der Glyphosat-Produkte einholen“, teilte der Konzern weiter mit. Über diesen Link sollen Kunden Zugang zu Studien und Informationen bekommen, soweit Bayer diese veröffentlichen darf oder sie bereits öffentlich sind.

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Für den Konzern und Konzernchef Werner Baumann ist die Einigung ein Befreiungsschlag. Der lange Rechtsstreit hat schwer auf der Aktie gelastet. Im Oktober war sie zwischenzeitig auf 40 Euro gefallen. Am Mittwoch legte die Aktie nach Bekanntgabe der Einigung um vier Prozent zu auf fast 54 Euro.

Denn nun kann sich Bayer wieder mehr auf das operative Geschäft in der Agrochemie konzentrieren. Bessere Schlagzeilen erhofft sich der Konzern auch von der Kooperation mit Curevac. Bayer will für das Tübinger Unternehmen Impfstoff in Wuppertal herstellen und so einen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung leisten. Das Bayer-Medikament Chloroquin hatte sich als ungeeignet herausgestellt als Medikament im Kampf gegen Corona. Bayer hatte der Bundesregierung zuvor Millionen Tabletten gespendet.