Neuer Chef ab Juni Bayer-Chef Baumann tritt vorzeitig ab

Leverkusen · In letzter Zeit wurde der Druck auf den Bayer-Chef Baumann immer größer. Deutsche Aktionärsvertreter forderten seine rasche Ablösung. Jetzt hat Baumann seinen Hut genommen. Wer ihm folgen soll.

 Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender des deutschen Pharmaunternehmens Bayer AG, während einer Pressekonferenz (Archivfoto).

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender des deutschen Pharmaunternehmens Bayer AG, während einer Pressekonferenz (Archivfoto).

Foto: dpa/Sascha Steinbach

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer bekommt einen neuen Chef: Der derzeitige Vorstandsvorsitzende Werner Baumann geht Ende Mai nach 35 Dienstjahren vorzeitig in den Ruhestand und wird zum Juni von dem US-Ingenieur Bill Anderson abgelöst, wie das Unternehmen am Mittwoch in Leverkusen mitteilte. Die Entscheidung wurde den Angaben zufolge einstimmig vom Aufsichtsrat der Bayer AG gefällt. Das entsprechende „umfassende Auswahlverfahren“ war demnach bereits seit Mitte vergangenen Jahres gelaufen.

Anderson soll schon im April als Mitglied des Vorstands in das Unternehmen eintreten und dann eng mit Baumann zusammenarbeiten, um einen „reibungslosen Übergang sicherzustellen“, wie es weiter hieß. Der 56-jährige studierte Chemieingenieur arbeitet demnach bereits seit 25 Jahren in der Branche und war zuletzt Vorsitzender der Pharmasparte des Roche-Konzerns.

Anderson sei der „ideale Kandidat, um Bayer zusammen mit dem Team in ein neues, erfolgreiches Kapitel zu führen - in einer Zeit, in der wir bemerkenswerte Innovationszyklen in der Biologie, Chemie und künstlichen Intelligenz sehen“, erklärte Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann. Der Auftrag des neuen Chefs sei klar - „Bayer soll sein ganzes Potenzial entfalten und nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre, Landwirte, Patienten, Verbraucher, Beschäftigte und alle Stakeholder des Unternehmens schaffen.“

Bayer war zuletzt auch unter Druck von Investoren geraten, die einen Führungswechsel forderten. In die Amtszeit von Baumann, der seit 2016 Bayer-Chef ist, fällt die milliardenschwere Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto, der das glyphosathaltige Mittel Roundup herstellt. Bayer sah sich in den vergangenen Jahren mit einer Klagewelle konfrontiert, was dem Börsenwert des Unternehmens schwer geschadet hat. Hintergrund ist die Frage, ob das Mittel krebserregend ist oder nicht.

Bayer bestreitet, dass Roundup krebserregend ist. Die US-Umweltbehörde EPA sowie die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten ebenfalls zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgehe. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung hatte 2015 hingegen konstatiert, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei.

(mzu/AFP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort