Traditionsunternehmen am Ende: Baukonzern Heitkamp wird zerschlagen

Traditionsunternehmen am Ende: Baukonzern Heitkamp wird zerschlagen

Insolvenz eines Traditionskonzerns: Nach 120 Jahren endet die Geschichte des Herner Bauunternehmens Heitkamp. Zumindest für die rund 900 Beschäftigten sieht es nach einem Happy End aus. Denn knapp vier Monate nach dem Gang zum Insolvenzgericht sind alle großen Tochtergesellschaften an neue Eigentümer verkauft, zieht der zum sogenannten Sachwalter bestellte Rechtsanwalt Dirk Andres Bilanz.

In den vergangenen Tagen wurden die letzten drei Kaufverträge für die allesamt profitabel arbeitenden Heitkamp-Töchter mit dem Bauunternehmen Feldhaus unterzeichnet. Auch für die rund 50 Mitarbeiter der Obergesellschaft soll eine Lösung gefunden werden. "Ich gehe aktuell davon aus, dass da eigentlich kaum einer ohne neuen Arbeitsplatz bleibt", sagte Andres.

Nach dem Verkauf der Tochtergesellschaften müssen nun noch neue Eigentümer für eine rund 100.000 Quadratmeter große Industriebrache samt einer prachtvollen Unternehmervilla gefunden werden. Keine leichte Aufgabe in Herne, was im strukturschwachen Norden des Ruhrgebiets liegt. "Das ist eine große Herausforderung, einen Investor zu finden, weil alleine der Verwaltungsakt zur Entwicklung einer solch großen Fläche einige Zeit in Anspruch nehmen wird", meint Andres. Der Insolvenzexperte geht davon aus, dass sich die Vermarktung über einige Jahre hinziehen kann.

Energiwende gab den Rest

Zum Verhängnis geworden sei dem Unternehmen am Ende eine drückende Schuldenlast aus Fehlentwicklungen und Zusammenschlüssen der Vergangenheit, sagte Andres. Für zusätzliche Belastungen in der Holding des unter anderem im Service von Kernkraftwerken tätigen Unternehmens habe auch die Energiewende geführt. "Die Folgewirkungen bekommen nicht nur die Energiekonzerne zu spüren, sondern auch alle Unternehmen, die für Energiekonzerne arbeiten", sagt er.

"Wir haben beim Bau fast aller Kernkraftwerke in Deutschland einen wesentlichen Anteil", schreibt das mittelständische Unternehmen noch stolz auf seiner Homepage. Allein in Deutschland habe Heitkamp über 114 Kraftwerke gebaut, darunter konventionelle Großkraftwerke, Müll- und Biomassekraftwerke. Der Bau von 91 Kühltürmen geht auf das Konto des Unternehmens, darunter die Errichtung eines 200 Meter hohen Rekord-Kühlturms in Niederaußem. Hinzu kommt die Mitarbeit an Straßenbauprojekten wie dem Kamener Kreuz oder an den Ruhrgebietsautobahnen 40 und 42.

  • Was passiert bei einer Insolvenz?

"Man merkt, dass es einen gewissen Stolz gibt, bei Heitkamp zu arbeiten", sagt Andres. Aber: "Am Ende des Tages spielt die Tradition keine Rolle, weil man sich immer bemüht, das Bestmögliche für die Gläubiger daraus zu machen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten", meint er.

Trotzdem sieht es für Eigentümer und Gläubiger des Familienunternehmens nach einem bitteren Ende aus. "Die Eigentümer werden nichts aus der Insolvenz erhalten", ist sich Andres sicher. Haupteigentümer ist heute der ehemalige BDI-Präsident Jürgen Thumann, ein Urenkel des Firmengründers.

Verfahren endet nicht vor 2018

Die etwa "50 bis 100 Gläubiger" können nach Angaben von Andres auf die Auszahlung von nur einem Bruchteil ihrer angemeldeten Forderungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags hoffen. Die sogenannte Auszahlungsquote werde aber "nennenswert höher sein als fünf Prozent" und sei damit deutlich höher als die Durchschnittsquote bei Insolvenzfällen in Deutschland, sagte Andres. Der Rechtsanwalt geht davon aus, das Verfahren nicht vor Ende des Jahres 2018 abschließen zu können.

Bestand haben wird zumindest der traditionsreiche Name Heitkamp, wenn auch die Gründerfamilie künftig nichts mehr damit zu tun haben wird. "Der Name Heitkamp hat einen Klang im Markt", berichtet Andres.
Es sei den Investoren wichtig gewesen, den Namen auch weiter verwenden zu dürfen. In dem bereits vor längerer Zeit verkauften und zurückgemieteten Heitkamp-Bürogebäude in Herne werden voraussichtlich sechs der ehemaligen Töchter weiter ihren Sitz haben. Selbst das Firmen-Logo vor der Tür hat gute Chancen auf Erhalt. "Ich glaube, das wird stehen bleiben", vermutet Andres.

(dpa)
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