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Liquidität bis Jahresende gesichert: Banken geben KarstadtQuelle 150 Millionen Euro

Liquidität bis Jahresende gesichert : Banken geben KarstadtQuelle 150 Millionen Euro

Nürnberg (rpo). Die an der Sanierung von KarstadtQuelle beteiligten Konsortialbanken greifen vorerst mit 150 Millionen Euro unter die Arme. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, rettet dies den angeschlagenen Einzelhandelskonzern aus dem "Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit".

Die Liquidität sei nun bis Jahresende gesichert, sagte Schmidt am Mittwochabend vor Wirtschaftsjournalisten in Nürnberg. Gefahr drohe jedoch durch ein "schlechtes Weihnachtsgeschäft". Zurückhaltende Käufer und niedrige Umsätze könnten die Rettung gefährden. Zudem sei die anhaltende Diskussion über den Konzern "äußerst schädlich", weil sie direkt ins Weihnachtsgeschäft hineinlaufe. Es drohe ein "Imageschaden". Schmidt sagte: "Wer kauft schon einen Kühlschrank bei Karstadt oder Quelle, wenn die Gefahr besteht, dass die Garantie verfällt?"

Die Bayerische Landesbank führt nach KarstadtQuelle-Angaben gemeinsam mit der niederländischen ABN AMRO Bank das Bankenkonsortium an. Schmidt mahnte die Partner, zusammenzustehen. Niemand dürfe sich "davonstehlen". Ein Zerwürfnis der Konsortialbanken wäre "eine Katastrophe" für das Unternehmen. Er fügte hinzu: "Dann geht es schief."

Schmidt sagte, es sei "lange" gerungen worden, "eine Bank, die aussteigen wollte, zu halten". Früheren Meldungen zufolge handelte es sich dabei um die NordLB. "So wie es jetzt aussieht, wird der Bankenpool die Dinge über die Runden bringen", betonte der Landesbank-Chef.

Schmidt ist davon überzeugt, dass eine Insolvenz des Handelsriesen vermeidbar ist. Allerdings könne er "keine Prognose darüber wagen, ob KarstadtQuelle gerettet wird". Eine Pleite oder eine Zerschlagung des Handelsunternehmens würde jedoch mit Sicherheit "wesentlich mehr Vermögen" und Arbeitsplätze vernichten als eine sinnvolle Fortführung. Der Konzern mit seinen rund 100.000 Beschäftigten müsse allein schon aus sozialpolitischen Gründen gerettet werden.

"Alle Beteiligten müssen sich in ihrem Bereich an das halten, was abgesprochen ist", appellierte Schmidt an die Verantwortung von Kapitaleignern, Management, Belegschaft und Banken. Noch seien viele Dinge offen. Klärungsbedarf gebe es beispielsweise hinsichtlich der Bewertung der umfangreichen Lagerbestände, der Pensionsrückstellungen und der Zahlungsziele.

Am vergangenen Donnerstag hatten sich KarstadtQuelle und ver.di auf ein Sparpaket geeinigt. Es sieht unter anderem vor, dass in den nächsten drei Jahren 760 Millionen Euro Personalkosten in den Bereichen Warenhaus und Versandhandel eingespart werden. Auf betriebsbedingte Entlassungen will der Konzern dabei weitgehend verzichten.

(afp)