Bahnchef Rüdiger Grube tritt zurück: Schlechter Tag für die Bahn

Der Rücktritt von Rüdiger Grube : Ein schlechter Tag für die Bahn

Eigentlich war die für Montag angesetzte außerordentliche Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats eine reine Formsache. Wichtigster Tagesordnungspunkt: die Verlängerung des Vertrags von Bahnchef Rüdiger Grube. Doch es kam anders.

Die Aufseher wollten — wohl entgegen ursprünglicher Absprache — den Vertrag nur um zwei statt drei Jahre verlängern. Zudem sollte der Manager auf eine Gehaltserhöhung verzichten. Grube warf entnervt hin. Mit sofortiger Wirkung.

Der Bahnchef hat ein extrem schwieriges Jahr hinter sich. Erstmals musste der Konzern einen Milliardenverlust hinnehmen. Das Management machte dafür in erster Linie die Streiks der GDL, Unwetter sowie das schleppende Geschäft im Güterverkehr verantwortlich. Der wachsenden Konkurrenz durch die Fernbusse setzte die Bahn — aus ihrer Sicht — teure Rabatt-Aktionen entgegen.

Vor diesem Hintergrund ist die Überlegung, Grube bei Gehalt und Vertragsdauer nicht allzu sehr entgegenzukommen, zunächst einmal nachvollziehbar. Doch der Manager bekommt im Vergleich zu anderen Konzernlenkern ein recht bescheidenes Salär. Und zuletzt ging es mit dem Staatskonzern auch bilanziell gesehen wieder aufwärts.

Für die Bahn wäre es besser gewesen, die vor ihr liegenden Herausforderungen wie beispielsweise die Digitalisierung, die verbesserte Pünktlichkeit und die Instandsetzung der Infrastruktur mit einem Konzernlenker anzugehen, der die Besonderheiten des Unternehmens kennt und der mit seinem Prestigeprojekt "Zukunft Bahn" auch klare Vorstellungen darüber hatte, wie diese am besten anzugehen wären. Daraus wird jetzt nichts mehr. Ein schlechter Tag für die Bahn.

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