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Konzern setzt auf mehr Kundenfreundlichkeit: Bahn will Verspätungen ins Internet setzen

Konzern setzt auf mehr Kundenfreundlichkeit : Bahn will Verspätungen ins Internet setzen

Berlin (RPO). Die Deutsche Bahn hat offenbar ihre Mängel beim Thema Kundenfreundlichkeit erkannt. Bahn-Chef Rüdiger Grube kündigte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Donnerstag in Berlin umfangreiche Investitionen an, um Reisende künftig "schneller und verlässlicher" zu informieren.

Zudem werde die Bahn ihre monatlichen Pünktlichkeitswerte ab September "offen, ehrlich und transparent" ins Internet stellen. Der zusätzliche Aufwand für verbesserte Qualität und noch besseren Service habe sich zwar ergebnismindernd ausgewirkt, dies habe die Bahn aber "ganz bewusst in Kauf genommen", betonte Grube. "Wir wollen bei Kundenfreundlichkeit deutlich zulegen."

Mit einem dreistelligen Millionenbetrag wolle das Unternehmen dafür sorgen, dass Reisende bei Fahrplanänderungen künftig nicht mehr ratlos auf dem Bahnsteig stehen, sondern per Twitter oder klassisch auf dem Bahnhof besser informiert würden. 60 Millionen Euro stecke die Bahn zudem in ein zusätzliches Streckensicherheitssystem.

Sechs Milliarden für die Infrastruktur

Um Reisezeiten zu reduzieren, investiert die Bahn dieses Jahr laut Grube sechs Milliarden Euro in ihre Infrastruktur. So seien im Sommer 700 Baustellen in 60 Baukorridoren gebündelt worden, um rund 2300 Kilometer Schiene zu erneuern. Um Beeinträchtigungen einzudämmen, setze die Bahn auf eine verstärkte Betreuung in Zügen und auf Bahnhöfen. Bei den Arbeiten auf dem Ost-West-Korridor zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet habe die Bahn eine gute Resonanz bekommen, sagte der Bahn-Chef.

Auch im technischen Bereich versprach Grube eine "spürbare Verbesserung für unsere Kunden". Für eine Milliarde Euro würden 2011 neue Züge angeschafft, bis 2015 seien 10,8 Milliarden Euro für neue Fahrzeuge vorgesehen, in dieser Summe sei der neue ICx noch nicht enthalten. Die Bahn sei jedoch darauf angewiesen, dass die Industrie die Züge voll funktionsfähig ausliefere.

Starke Halbjahreszahlen

Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens verlaufe "außerordentlich erfreulich", sagte Grube bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Die Bahn fuhr demnach von Januar bis Juni 2011 den höchsten Halbjahresumsatz ihrer Geschichte ein: Er lag mit 18,9 Milliarden Euro um 2,8 Milliarden Euro oder 17,2 Prozent über dem Ergebnis im Vorjahreszeitraum. Dabei hatte allerdings die neue britische Konzerntochter Arriva einen Anteil von 1,5 Milliarden Euro am Umsatzplus. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich im ersten Halbjahr auf 648 Millionen Euro und lag damit um 256 Millionen Euro oder 65,3 Prozent über dem Vorjahreswert.

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Bei der Zahl der Reisenden registrierte die Bahn im ersten Halbjahr einen Anstieg um 1,9 Prozent oder 18,4 Millionen Fahrgäste auf 972 Millionen. Ingesamt beförderte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten 1,38 Milliarden Reisende in Bussen und Zügen. Dabei blieb die Verkehrsleistung im Schienenpersonenverkehr mit 38 Milliarden Personenkilometern nahezu unverändert. Gut entwickelte sich laut Grube der Regional- und Stadtverkehr, der Fernverkehr habe mit 16,9 Millionen Personenkilometern leicht unter dem Vergleichszeitraum gelegen.

Im Bereich Logistik verzeichnete die Bahn laut Grube in fast allen Bereichen einen Aufwärtstrend. Einen "stattlichen" Anstieg von 20,7 Prozent habe es beim europäischen Landverkehr gegeben. Das Seefrachtvolumen nahm ebenfalls um 4,6 Prozent zu. Dagegen schwächte sich das Luftfrachtvolumen geringfügig um 0,6 Prozent ab.

Ramsauer lobt Deutsche Bahn

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat die Bahn für ihren vorgelegten Halbjahresabschluss gelobt. Die Zahlen spiegelten die hohe Ertragskraft des Unternehmens wider, sagte Ramsauer in Berlin. Es gelte nun, die Gewinne wieder zu investieren: "In Kundenorientierung, Qualität und Zuverlässigkeit." Auch personell sei die Bahn vom Vorstand bis hin zum Aufsichtsratsvorsitzenden gut gestellt, ergänzte der Minister.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Rüdiger Grube

(AFP/dapd)