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Streiks bei Lufthansa und der Bahn: Bahn-Manager fordert Kompromissbereitschaft der GDL

Streiks bei Lufthansa und der Bahn : Bahn-Manager fordert Kompromissbereitschaft der GDL

Im Tarifstreit bei der Bahn bezeichnet Personalvorstand Ulrich Weber die Drohungen der GDL als "keinen guten Stil". Unterdessen drohen die Piloten mit neuen Streiks noch für diese Woche.

Der Flugverkehr findet nicht zur Normalität: Noch vor Ende des massiven Streiks bei der Lufthansa haben die Piloten mit neuen Ausständen für die kommenden Tage gedroht. "Wir schließen weitere Streiks in dieser Woche explizit nicht aus, falls sich die Lufthansa nicht bewegt", sagte Markus Wahl, Vorstand der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. Er hoffe aber, dass die Lufthansa ein neues Angebot in dem Streit über die Frührenten-Regelung für die 5400 Flugzeugführer vorlege. Europas größter Luftfahrtkonzern signalisiert bislang keine neue Offerte.

Während des seit Montag andauernden 35-stündigen Piloten-Streiks seien in Frankfurt fast alle Interkontinental-Verbindungen gestrichen worden, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Das Gros der Kurz- und Mittelstreckenflüge am größten deutschen Flughafen wurde annulliert. Von den am Dienstag geplanten 2330 Lufthansa-Flügen fielen etwa 1500 aus. Rund 166 000 Passagiere waren betroffen.

Bahn-Manager kritisiert GDL-Vorgehen

In der Tarifauseinandersetzung zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verlangte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber von der Gegenseite mehr Konstruktivität: "Ich fordere die GDL auf, ihre Drohgebärden zu lassen und uns konkret zu sagen, was die GDL selbst zu einem Kompromiss beitragen will", sagte Weber unserer Redaktion. Es sei kein guter Stil, kurz nach Ende langer Streiks schon wieder mit neuen Arbeitskämpfen zu drohen und damit erneut Millionen Bahn-Kunden zu verunsichern.

"Wir waren und wir sind zu Gesprächen jederzeit bereit. Wenn auch die GDL-Spitze tatsächlich ernsthaftes Interesse daran hat, hilft die Methode ,Pistole auf die Brust setzen' jedenfalls kein Stück weiter. Die GDL muss sich bewegen und zurückkommen."

Die GDL hatte mit einem 60-stündigen Streik am Wochenende den Bahnverkehr in Deutschland nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. GDL-Chef Weselsky hatte danach angekündigt, bis Anfang kommender Woche auf weitere Arbeitskampfmaßnahmen zu verzichten. Die Lokführer-Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Gehalt und eine um zwei Stunden kürzere Wochenarbeitszeit.

Hauptstreitpunkt mit der Bahn ist allerdings, dass die GDL erstmals nicht nur für die Lokführer, sondern auch die Zugbegleiter, Disponenten, Bordgastronomen und Trainer verhandeln will. Dafür war bislang immer die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft zuständig. Die Bahn befürchtet, dass sie künftig für ein- und dieselbe Berufsgruppe mehrere verschiedene Tarifverträge haben wird. Denn zeitgleich zu den Streitigkeiten mit der GDL laufen die Tarifgespräche mit der EVG weiter.

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Für Mittwoch ist die zweite Runde in Frankfurt angesetzt. Bahn-Personalvorstand Weber sagte dazu: "Auch bei den Verhandlungen mit der EVG, die heute weitergehen, werden wir unser Ziel hochhalten, unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe zu vermeiden." Die EVG verlangt sechs Prozent mehr, mindestens jedoch 150 Euro und eine Eingruppierung der 5000 EVG-Lokomotivführer.

(RP)