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Italienische FS und französische SNCF: Bahn-Konkurrenz drängt auf deutschen Markt

Italienische FS und französische SNCF : Bahn-Konkurrenz drängt auf deutschen Markt

Gegenwind auf den Gleisen: Die Deutsche Bahn muss sich auf schärfere Konkurrenz in ihrem Netz einstellen. Nach der Ankündigung der italienischen Staatsbahn drängt auch die französische SNCF auf den deutschen Markt.

Die Bahnunternehmen in Deutschland müssen sich auf schärfere Konkurrenz aus Italien und nun auch Frankreich einstellen. Die italienische Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FS) hatte angekündigt, mit ihrer Tochtergesellschaft Netinera den deutschen Bahnmarkt aufrollen zu wollen und nach der Deutschen Bahn (DB) dauerhaft zum zweitgrößten Schienenunternehmen im regionalen Personenverkehr aufsteigen.

Die Kampfansage des Netinera-Chef Jost Knebel: "Wir wollen die Nummer zwei im deutschen Regionalverkehr werden." Voraussichtlich 2014 werde Netinera den derzeit schärfsten Verfolger der DB, die Veolia Deutschland, verdrängt und auf Rang drei verwiesen haben, sagte Knebel voraus.

Marktanteil von 20 Prozent

Fernziel der Netinera sei ein Marktanteil von rund 20 Prozent in Deutschland. Dies wäre in etwa so viel, wie derzeit alle Konkurrenten der Bahn im Regionalverkehr insgesamt haben. "Der deutsche Eisenbahnmarkt ist in Bewegung, und es gibt zahlreiche Netze, die in den kommenden Jahren neu ausgeschrieben werden", sagte Knebel.

Ähnliche Töne schlägt nun auch das französische Staatsunternehmen SNCF an, wie Chef Guillaume Pepy am Rande der weltgrößten Bahnmesse InnoTrans in Berlin mitteilte.

"An Ausschreibungen beteiligen"

"Wir sind in Deutschland mit unserer Gesellschaft Keolis derzeit nicht stark genug. Wir müssen ehrgeiziger und besser werden, um mehr Ausschreibungen zu gewinnen." Um in Deutschland aufzuholen, werde "Keolis mit den nötigen finanziellen Mitteln" ausgestattet. "Wir werden uns weiter an Ausschreibungen beteiligen.”

Rückenwind erhalten die italienischen und französischen Attacken auf das Netz der Deutschen Bahn aus der Politik. Die national geprägten Bahnmärkte in Europa sollen nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) stärker zusammenwachsen. "Eisenbahnpolitik kann nur noch europaweit gedacht werden", hatte Ramsauer zur Eröffnung der Innotrans erklärt.

Einheitlicher Bahnraum in Europa

Auch EU-Verkehrskommissar Siim Kallas zeichnete die Vision eines europaweit einheitlichen Bahnraums. Derzeit gebe es noch zu viele unterschiedliche technische Normen und Rahmenbedingungen. "Es muss viel mehr getan werden, um das ganze Potenzial auszureizen", forderte Kallas.

Er sehe die Schiene vor einer großen Renaissance sowohl als Fracht- wie Personentransportmittel, sagte Ramsauer. "Das setzt aber ein klares Ja zu Neu- und Ausbau der Schieneninfrastruktur voraus."

Minister fordert mehr Wettbewerb

Der Verkehrsminister sprach sich auch für mehr Wettbewerb auf dem heimischen Schienenmarkt aus. Dafür werde genau so viel Regulierung im Netz gebraucht, dass die Bahn private Anbieter nicht benachteiligen könne. Vergleichbare Töne schlug auch Bahnchef Rüdiger Grube an: "Wettbewerb ist wichtig, alles muss diskriminierungsfrei ablaufen."

Als wichtigste Innovation nannte Grube die Verknüpfung der Angebote der verschiedenen Bahnen, Busse und regionalen Anbieter. "Der Kunde will alles aus einer Hand." So müsse der Tarif-Dschungel aufgelöst werden und der Kunde beispielsweise per Smartphone automatisch den günstigsten Preis zahlen. Das gelte auch für grenzüberschreitende Reisen.

Ein erster Schritt: Auf den Bahnhöfen in Deutschland sollen künftig auch die Fahrpläne der DB-Konkurrenten aushängen. Außerdem muss die Bahn Platz für den Fahrkartenverkauf durch Wettbewerber schaffen. Diese Vorgaben sind Teil eines neuen Eisenbahngesetzes, dessen Entwurf das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat.

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(rpo/nbe/csr)