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"Wir werden nichts Flächendeckendes machen": Bahn-Chef will Preise nicht pauschal erhöhen

"Wir werden nichts Flächendeckendes machen" : Bahn-Chef will Preise nicht pauschal erhöhen

Die Deutsche Bahn will ihre Kunden zum Winterfahrplan-Wechsel nicht mit pauschalen Preiserhöhungen verprellen. "Wir werden nichts Flächendeckendes machen", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwochabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

So könnten Senioren, Studenten, Pendler oder auch die von Flutschäden betroffenen Regionen von Erhöhungen ausgenommen werden, deutete Grube an. Zwar müssten steigende Personal- und Energiekosten berücksichtigt werden - die Bahn wisse aber auch um die Mängel der Betriebsqualität. Noch liefen die internen Beratungen über die Preise. "In der ersten Oktober-Woche werden wir das abgeschlossen haben", sagte Grube.

Den Bahnkunden machten in diesem Jahr erhebliche Einschränkungen zu schaffen. Der Mainzer Hauptbahnhof war im August teilweise vom Schienenverkehr abgekoppelt. Abends und nachts konnte die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt nicht angefahren werden, weil ein Stellwerk wegen Krankheitsfällen und Urlaub nicht mit Fahrdienstleitern besetzt werden konnte. Grube kritisierte das Management der Netz-Tochter scharf. Man sei sehenden Auges auf das Problem zugesteuert, sagte er. Dazu kommen Verzögerungen und Umleitungen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Berlin nach Hochwasserschäden.

Börsengang für Grube kein Thema

Auf den ICE-Verbindungen von und nach Berlin sind rund ein Viertel aller Passagiere im Fernverkehr deutschlandweit unterwegs. Der von seinem Vorgänger massiv vorangetriebene Börsengang ist für Grube auf absehbare Zeit kein Thema. "Ich werde dafür bezahlt, dass ich das System in Deutschland in Ordnung bringe", sagte der Bahnchef.

Vor dem für 2008 geplanten Börsengang waren über Jahre hinweg Tausende Stellen in der Netz-Sparte abgebaut worden. Das rächt sich jetzt, wie die Probleme in Mainz offen legten. "Ich verschwende meine Zeit nicht mit Gedanken an einen Börsengang", sagte Grube. "Wir müssen noch viele Hausaufgaben machen." So brauche die Bahn in den nächsten zehn Jahren 80.000 neue Mitarbeiter. So viele werde sie durch Rente oder Fluktuation verlieren.

"Konjunktur schlechter entwickelt"

Eine Reservierungspflicht für Züge schloss Grube aus - auch wenn es die Zugplanung deutlich erleichtern würde. "Das offene System werden wir nicht aufgeben", sagte er. Die Kunden in Deutschland erwarteten die Flexibilität. Mehdorn war mit einem der Flugbuchung ähnlichen System für den Fernverkehr krachend gescheitert. Grube hofft darauf, dass sich das Problem voller Züge von selbst löst, wenn die Kunden sich über die Auslastung im Internet informieren können.

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Zur Geschäftsentwicklung im Schienengüterverkehr äußerte sich Grube vorsichtig. "Die Konjunktur hat sich 2013 deutlich schlechter entwickelt als angenommen", sagte der Bahn-Chef.

Dennoch werde der Staatskonzern im Schienengüterverkehr in Europa in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben - "nicht im einstelligen, sondern im zweistelligen Millionenbereich". Im August habe der Umsatz im Schienengüterverkehr erstmals leicht über dem Vorjahr gelegen. Es bleibe abzuwarten, wie nachhaltig das sei, sagte Grube. Im Gütergeschäft erwirtschaftet die Bahn im In- und Ausland mehr als die Hälfte ihres Umsatzes.

(REU)