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Streik in NRW: Awo droht im Tarifstreit mit Schließung von Einrichtungen

Streik in NRW : Awo droht im Tarifstreit mit Schließung von Einrichtungen

Der Arbeitgeberverband der Awo Deutschland hat die zweitägigen Warnstreiks in NRW kritisiert. "Dass Verdi zu einem so frühen Verhandlungs-Zeitpunkt zu Warnstreiks aufruft, ist äußerst ungewöhnlich, völlig nutzlos und unverständlich", sagte Geschäftsführer Gero Kettler unserer Redaktion.

Nach Gewerkschaftsangaben legten gestern mehr als 2200 Awo-Mitarbeiter die Arbeit nieder. Kitas blieben geschlossen, in Senioren- und Pflegeeinrichtungen wurde im Notbetrieb gearbeitet. "Das ist eine klare Antwort der Beschäftigten auf die Provokation der Arbeitgeber in der letzten Verhandlungsrunde", sagte Verdi-Verhandlungsführer Wolfgang Cremer. Für heute ist eine Kundgebung in Bochum geplant.

Kettler wies die Vorwürfe zurück, die Awo versuche, mit einer verspäteten Lohnanpassung für Erzieherinnen ein Zwei-Klassen-System zu schaffen: "Es ärgert mich, dass Verdi den Mitarbeitern verschweigt, dass am Ende der Laufzeit alle Beschäftigten 3,5 Prozent mehr bekommen." Es sei zwar richtig, dass die Awo den Erzieherinnen die Erhöhung erst nach einigen Leermonaten zahlen wolle. "Wir unterliegen in diesem Bereich aber den Finanzierungs-Zwängen durch den Gesetzgeber." Verdi selbst habe die Unterfinanzierung der Kita-Arbeit in NRW eingeräumt. "Allerdings fehlt die Bereitschaft, vonseiten der Arbeitnehmer, einen finanziellen Beitrag beizusteuern", sagte Kettler. "Wir sind nicht der öffentliche Dienst. Die Stadt Dortmund kann für ihre Kitas einfach 1,9 Millionen Euro mehr bewilligen. Diese Möglichkeit fehlt den Awo-Einrichtungen."

Kettler warnte, ein zu hoher Abschluss würde zulasten der Qualität in den Einrichtungen gehen: "Einigen Einrichtungen würde die Insolvenz drohen. Die dortigen Verantwortlichen würden dann zunächst versuchen, aus der Tarifbindung auszutreten. Ein nächster Schritt wäre eine noch stärkere Arbeitsverdichtung. Am Ende bliebe wohl nichts anderes übrig, als defizitäre Einrichtungen zu schließen, die wir uns aus sozialpolitischen Erwägungen bislang noch geleistet haben." Verdi-Verhandlungsführer Cremer sagte, Arbeitsverdichtung finde ohnehin schon statt. "In einigen Senioreneinrichtungen konnten wir gar nicht zum Streik aufrufen, weil dort eh nur noch mit einer Notdienstbesetzung gearbeitet wird."

Arbeitgebervertreter Kettler zeigte sich mit Blick auf den nächsten Gesprächstermin am 28. Oktober verhandlungsbereit: "Wenn Verdi in irgendeiner Form erkennen lässt, dass sie die Finanzierungsproblematik auch sehen, glaube ich, dass es uns möglich sein wird, auch bei den Erzieherinnen in der nächsten Verhandlungsrunde ein verbessertes Angebot zu machen."

(RP)