1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Treffen im Kanzleramt: Autohändler wollen Opel retten

Treffen im Kanzleramt : Autohändler wollen Opel retten

Düsseldorf (RP/RPO). Während der Streit um das Rettungspaket für die amerikanische Opel-Mutter General Motors immer bizarrere Formen annimmt, wird in Deutschland eine anfangs belächelte Variante für die Zukunft von Opel zunehmend konkret: Das Konsortium der deutschen Opel-Händler, die Opel im Fall einer GM-Pleite übernehmen wollen, hat am kommenden Dienstag einen Termin im Berliner Kanzleramt.

"Wir haben bereits die Unterstützung des Opel-Betriebsrates", sagte der Neusser Opelhausketten-Besitzer Peter Dahlmann unserer Redaktion. Am Vortag werde er mit dem deutschen Opel-Chef Hans Demant über das Projekt konferieren. Ein Konsortium der größten deutschen Opelhäuser um Dahlmann will Opel im Fall einer GM-Pleite übernehmen. Allerdings nur, wenn der Staat das Projekt subventioniert.

Eine Idee, der man zumindest in Bochum offen gegenübersteht: "Dieser Vorschlag ist sehr interessant", sagte gestern der Bochumer Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel unserer Redaktion, "gut möglich, dass die Opel-Händler ein Teil der Opel-Lösung sein werden."

Opel-Konzernkreisen zufolge wird in Berlin und Düsseldorf derzeit Tag und Nacht nach Möglichkeiten gesucht, Opel im Falle einer GM-Pleite so zu unterstützen, dass die Gelder nicht in den Sog des Detroit-Desasters geraten. "Ein Ding der Unmöglichkeit", meint allerdings der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer, "Opel ist eine 100-prozentige Tochter von GM — das kriegt man juristisch gar nicht wasserdicht hin." Geld, das etwa Düsseldorf nach einer GM-Pleite in die Bochumer Opel-Werke investiere, werde "sofort nach der Überweisung in Detroit verschwinden", ist Dudenhöffer sich sicher.

Anders sähe es aus, wenn Opel von GM getrennt werden könnte. Die Sollbruchstelle liegt dann allerdings eher zwischen GM und GM Europe (Opel, Saab plus Teile von Chevrolet) als zwischen GM Europe und Opel. Opel alleine ist wohl zu klein, um auf sich gestellt die neuen Märkte in Osteuropa und Russland erobern zu können. Da sind Dudenhöffer und Einenkel, die sonst nicht gerade mit Kritik aneinander sparen, sich ausnahmsweise einmal einig.

In diesem Jahr wohl keine Entscheidung

Kein langwieriger Prozess

Der demokratische Senator von Michigan, Carl Levin, zeigte sich zuversichtlich, dass das Weiße Haus sein Versprechen halten werde, die Autoindustrie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Weniger optimistisch äußerte sich der republikanische Senator Bob Corker aus Tennessee: "Ich glaube, die wissen selbst noch nicht, was sie tun sollen." Einigkeit herrschte in Washington darüber, dass für Montag noch keine Verkündung von möglichen Maßnahmen zu erwarten war.

Kein Liquiditätsproblem

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" arbeitet der Bürgschaftsausschuss im Bundeswirtschaftsministerium daran, dass die Europäische Investitionsbank Opel einen Kredit über bis zu 1,8 Milliarden Euro für die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge gewährt. Diesen Kredit würde die Bundesregierung verbürgen. Es sei aber bisher noch nicht das Problem gelöst, dass Opel keine eigene Bankverbindung habe, sondern komplett über die Konten der US-Konzernmutter GM finanziert werde.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten zur Opel-Krise