Wegen eingetrübter Weltwirtschaft: Ausländer investieren weniger in NRW

Wegen eingetrübter Weltwirtschaft: Ausländer investieren weniger in NRW

Weniger Firmen, aber mehr Jobs: Die Zahl der ausländischen Direktinvestitionen in NRW sank 2012 um 26 Prozent. Die Qualität der neuen Ansiedlungen steigt allerdings: Das Ausland will fast 3000 neue Jobs in NRW schaffen.

Die Eurokrise dämpft das Interesse ausländischer Investoren am Standort NRW. Im vergangenen Jahr siedelten sich nur noch 173 Unternehmen aus dem Ausland in Deutschlands größtem Bundesland an — 2011 waren es noch 234. Das geht aus einer neuen Statistik der landeseigenen Wirtschaftsförderung "NRW.Invest" hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Den Rückgang um 26 Prozent erklärt NRW.Invest-Chefin Petra Wassner mit einer eingetrübten Weltwirtschaft: "Zum einen löst die Eurokrise Unsicherheiten bei Investoren aus. Zum anderen hat sich das Wachstum in China abgeschwächt", sagte Wassner. Auf China entfiel in den vergangenen Jahren stets der größte Teil der ausländischen Direktinvestitionen in NRW.

Laut der obersten Wirtschaftsförderin des Landes neigen gerade chinesische Unternehmen derzeit aber wegen des schwachen Euros dazu, Firmen zu kaufen anstatt neue Unternehmen zu gründen. Um NRW im Ausland zu vermarkten, unterhält NRW.Invest Repräsentanzen in Japan, den USA, China, Indien, Korea, Russland und in der Türkei. Die weltweit 67 Mitarbeiter haben einen Jahresetat von elf Millionen Euro, den das Land trägt.

Auch weltweite Skepsis bei Investoren

Der Einfluss von Euro-Krise und Staatsverschuldung auf das Investitionsverhalten wird auch durch eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young untermauert, die NRW.Invest in Auftrag gegeben hat. 71 Prozent der ausländischen Investoren erwarten demnach, dass sich die Schuldenkrise weiter auswächst, 24 Prozent glauben, dass sich dadurch auch ihre eigene wirtschaftliche Lage verschlechtert.

Auch weltweit sind die Investoren skeptisch geworden: Nach einer vorläufigen Schätzung der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) sanken die ausländischen Direktinvestitionen 2012 global von 1,7 auf 1,6 Billionen Dollar. Europäische oder bundesweite Vergleichszahlen gibt es noch nicht.

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NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) ist trotz des rückläufigen Trends mit der Arbeit von NRW.Invest zufrieden. "Landesweit ging die Zahl der Direktinvestitionen um 26 Prozent zurück. Die von NRW.Invest betreuten Investitionen gingen aber nur um 20 Prozent zurück", rechnete Duin vor. "Es ist NRW.Invest also gelungen, den Rückgang bei den Ansiedlungen in NRW durch eigene Projekte abzufedern." NRW.Invest betreute im vergangenen Jahr 57 Prozent aller Auslands-Ansiedlungen in NRW.

Mehr Arbeitsplätze für NRW

Zudem wird der rückläufige Trend in NRW durch einen positiven Arbeitsmarkt-Effekt relativiert: 2012 kamen zwar weniger Firmen nach NRW als im Vorjahr, dafür werden sie aber mehr Arbeitspläzte schaffen. Durch die von NRW.Invest betreuten Ansiedlungen entstanden 2878 neue Jobs (im Schnitt 26 Arbeitsplätze pro Projekt). Im Vorjahr waren es nur 19 Jobs pro Projekt. "Wir haben 2012 den zweitbesten Arbeitsmarkteffekt seit unserem Bestehen erreicht", sagte Wassner. Nur 2010 lag die Zahl der neuen Jobs mit 3227 noch höher.

Der größte Teil der Direktinvestitionen in NRW kam im vergangenen Jahr aus Asien (60 neue Ansiedlungen), gefolgt von Westeuropa (50), Mittel- und Osteuropa (31) und Nordamerika (26). Von den 60 Ansiedlungen aus Asien entfielen wiederum 30 auf China. Die neue NRW.Invest-Repräsentanz im russischen Sankt Petersburg meldet einen ersten Achtungserfolg: Sie warb acht Direktinvestitionen mit 63 prognostizierten Arbeitsplätzen für NRW ein. Die meisten ausländischen Investoren lassen sich im Großraum Düsseldorf nieder (64), gefolgt von Köln/Bonn (42) und dem Ruhrgebiet (25).

Duin hält NRW weiterhin für einen der beliebtesten Investitionsstandorte in Europa. "96 Prozent der ausländischen Unternehmen sind mit dem Standort NRW zufrieden", zitiert Duin die Ernst&Young-Umfrage. Allerdings müsse dieser Status fortwährend neu erarbeitet werden. Duin kündigte eine Initiative für den Bürokratieabbau an.

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(tor)
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