Studie des IW Köln: Ausländer, Frauen und Ältere sollen Fachkräftemangel lindern

Studie des IW Köln: Ausländer, Frauen und Ältere sollen Fachkräftemangel lindern

Zwei von drei offenen Stellen in Berufen mit Fachpersonal können laut IW-Studie mittlerweile nur schwer, verspätet oder gar nicht besetzt werden. Es fehlten vor allem Techniker, Handwerker und Pflegekräfte. Die Hoffnung des Instituts liegt auf Ausländern, Frauen und Älteren.

Der Fachkräftemangel in Deutschland setzt Unternehmen nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heftig zu. Inzwischen werden demnach zwei Drittel aller offenen Stellen in Berufen ausgeschrieben, die Probleme haben, Fachpersonal zu finden.

Das bedeute, dass zwei von drei offenen Stellen 2016/17 nur schwer, verspätet oder gar nicht besetzt werden konnten, heißt es in der Expertise, die unserer Redaktion vorliegt. Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern müssten ihre Personalsuche in fast jedem dritten Fall ganz abbrechen.

Es fehlten vor allem Techniker, Handwerker und Pflegekräfte sowie insbesondere Kältetechniker, Altenpfleger, Sanitär- und Heizungstechniker, Physiotherapeuten, Informatiker, Vermessungstechniker, Fachärzte und Elektrotechniker. Bei Experten mit Masterabschluss oder Diplom oder mit Bachelorabschluss und Berufserfahrung sei die öffentliche Verwaltung am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen. Hier kämen 21 Arbeitslose auf 100 offene Stellen.

Die größten Engpässe insgesamt hätten Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie zahlreiche weitere Regionen in Ostdeutschland. Berlin und Hamburg seien weniger betroffen, weil viele junge Leute in die Städte zögen. Nordrhein-Westfalen liegt auf dem zweitbesten Platz und hat aus Sicht von Unternehmen nur im Osten des Bundeslandes Engpässe.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen habe im Ausbildungsjahr 2016/17 ein neues Rekordhoch erreicht. Zum 30. September hätten 48.900 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können. Das seien 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sei die Zahl der Bewerber ohne Lehrstelle auf 27.300 gestiegen.

  • Arbeitgeber müssen sich selbst hinterfragen

Die Textilreinigungsbranche sei am stärksten betroffen. Hier sind 38 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Ferner fehle es vor allem an Interesse an Berufen wie Fleischer, Fachverkäufer und Gastronom. Besonders bedenklich sei das Desinteresse an einer Ausbildung zum Hörgeräteakustiker, weil dieser Beruf schon jetzt unter Fachkräftemangel leide.

Um die aus der Sicht der Wirtschaft kritische Lage zu verbessern, sollten Arbeitgeber verstärkt auf internationale Fachkräfte, ältere Beschäftigte und Frauen setzen, heißt es in dem Papier. Hier blieben Potenziale oft ungenutzt. Ausländische Experten seien oft deutlich jünger als ihre deutschen Kollegen. Derzeit seien sie vor allem dort zu finden, wo die Wirtschaft boome: in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg und Berlin sowie in Ballungszentren wie rund um Frankfurt am Main.

Internationale Fachkräfte seien bereits heute ein wichtiger Pfeiler, um Fachkräfteengpässe abzumildern. "Trotz der hohen Zuwanderung" reichten sie aber nicht aus, um den Bedarf abzudecken, prognostizieren die Experten. Sie raten: "Eine bedarfsgerechte Zuwanderung in Form einer gezielten Rekrutierung aus dem Ausland ist somit eine vielversprechende Maßnahme im Kampf gegen den Fachkräftemangel." Hier könne die Politik Unternehmen durch ein modernes Zuwanderungsrecht künftig besser unterstützen.

Für ältere Arbeitnehmer sollten Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten als Anreiz schaffen, über das Renteneintrittsalter hinaus im Unternehmen zu bleiben. Auch für Frauen seien flexible Arbeitszeiten von zentraler Bedeutung. Trotz flankierender Maßnahmen der Politik zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie habe sich wenig daran geändert, dass Frauen nach einer Familienphase nicht zurückkämen.

(kd / mar)