1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Versteckte Käfigeier: Augen auf beim Eierkauf

Versteckte Käfigeier : Augen auf beim Eierkauf

Düsseldorf (RPO). Osterzeit ist Eierzeit: Allerdings sollten Verbaucher genau hingucken, wenn sie bereits gefärbte Eier kaufen. Die kommen häufig aus Käfighaltung. Auch bei anderen Lebensmitteln bleibt die Herkunft der Eier für den Verbraucher im Unklaren.

Die deutschen Verbraucher haben abgestimmt: Seit 2004 müssen unverarbeitete, also frische rohe Eier mit einem Stempel auf der Schale gekennzeichnet werden. Eier mit der "3" sind seither nicht mehr im Handel zu finden. Dieser Code steht nämlich für Käfig- bzw. Kleingruppenhaltung. Und wer möchte solche Eier schon essen? Ganz im Gegenteil: Bio-Eier mit der "0" erfreuten sich in den letzten Monaten angesichts der Dioxin-Ei-Skandale deutlich steigender Beliebtheit.

Leider gilt die Transparenz nur für rohe Produkte. Werden Eier gekocht und anschließend koloriert, dann müssen Herkunft und Haltungsform nicht genannt werden. "Wenn auf einem gefärbten Ei nicht draufsteht, aus welcher Haltungsform es kommt, kann man davon ausgehen, dass es ein Käfigei ist", sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Artgerechte Haltungsformen sind ein gutes Verkaufsargument und würden sonst sicher beworben werden."

Auch vom Deutschen Tierschutzbund kommt Kritik: "Die Lücke in der Kennzeichnung nutzt die Lebensmittelindustrie, um die Verbraucher zu täuschen und Käfigqual unter der Farbe zu verstecken", sagt dessen Präsident Wolfgang Apel. "Finger weg von gefärbten Eiern, wenn diese nicht klar als Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung gekennzeichnet sind", so Apel. Der Deutsche Tierschutzbund hat eine Umfrage bei Nahrungsmittelproduzenten durchgeführt und die Liste im Internet veröffentlicht.

Unklarheit bei Lebensmitteln

Auch bei anderen verarbeiteten Eiern haben Verbraucher meist keine Wahl. "Es gibt in Deutschland immer noch um die 30 Millionen Hennen in Käfigen", sagt Agrarexpertin Benning. "Ihre Eier werden in Nudeln, Kuchen oder Ostereiern verarbeitet. Woher sie stammen, ist kein Thema."

Dabei wäre diese Lücke recht einfach zu schließen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte die Bundesregierung kürzlich auf, eine entsprechende EU-Initiative zu starten. "Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner spricht sich Mantra-artig für mehr Transparenz bei Lebensmitteln aus. Wir nehmen sie beim Wort und erwarten, dass sie Klarheit über die Haltungsform auch bei verarbeiteten Eiern schafft", erklärte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Es sei niemandem zu erklären, dass Verbraucher nur bei frischen Eiern die Wahl haben dürfen, Lebensmittelindustrie und Gastronomie in ihren Produkten aber Käfigeier ohne jeden Hinweis verstecken können. "Wir brauchen dringend eine verpflichtende Kennzeichnung von allen Fertigprodukten entsprechend den Haltungssystemen der Legehennen", fordert Tierschutzbund-Mann Apel.

Politik ist gefordert

Die Antwort gibt das Verbraucherministerium auf seiner Homepage: "Aus Sicht des europäischen Gesetzgebers würden solche Angaben einen unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand in Form von Dokumentation bei den Wirtschaftsbeteiligten und von Kontrollen bei der Überwachung mit sich bringen."

Möglicherweise erledigt sich das Problem auch von selbst, denn das Thema ist auch in der Politik angekommen. Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen forderten die schwarz-gelbe Koalition kürzlich über den Bundesrat auf, die als nicht artgerecht geltende Käfighaltung zu verbieten. Bislang ist jedoch npoch nichts geschehen.