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O2 fusioniert mit E-Plus: Auf dem deutschen Markt entsteht ein neuer Mobilfunk-Riese

O2 fusioniert mit E-Plus : Auf dem deutschen Markt entsteht ein neuer Mobilfunk-Riese

Die EU-Wettbewerbshüter haben die 8,6 Milliarden Euro teure Übernahme von E-Plus durch Telefonica Deutschland ("o2") genehmigt. Durch die Fusion der bisherigen Nummer drei und vier auf dem Mobilfunkmarkt entsteht mit knapp 45 Millionen Kunden der größte deutsche Mobilfunk-Anbieter – vor der Deutschen Telekom und Vodafone.

Die EU-Wettbewerbshüter haben die 8,6 Milliarden Euro teure Übernahme von E-Plus durch Telefonica Deutschland ("o2") genehmigt. Durch die Fusion der bisherigen Nummer drei und vier auf dem Mobilfunkmarkt entsteht mit knapp 45 Millionen Kunden der größte deutsche Mobilfunk-Anbieter — vor der Deutschen Telekom und Vodafone.

Die Brüsseler Kommission hatte die Sorge, dass durch die Konzentration auf dem Markt der Wettbewerb Schaden nehmen und die Preise für die Kunden steigen könnten.

Um diese Bedenken auszuräumen, bot Telefónica Zugeständnisse an. Sie sollen gewährleisten, dass neue Wettbewerber Zugang zum Mobilfunkmarkt in Deutschland haben und die Stellung der bestehenden Wettbewerber gestärkt wird.

Unter anderem bot Telefonica an, vor dem Abschluss des Zusammenschlusses bis zu 30 Prozent der Kapazitäten des Mobilfunknetzes der neuen Firma an Wettbewerber weiterzuverkaufen. Vorige Woche gab es bereits eine Einigung mit dem Dienstleister Drillisch, der wohl 20 Prozent der Netzkapazitäten übernehmen will.

Daneben ist Telefonica bereit, Funkspektrum an einen möglichen neuen Netzbetreiber zu veräußern.

Drittens verpflichtet sich Telefónica dazu, bestehende Großkunden-Vereinbarungen mit den Partnern von Telefónica und E-Plus auszuweiten und in der Zukunft 4G-Dienstleistungen für Großkunden allen interessierten Marktteilnehmern anzubieten.

"Die von Telefónica eingegangenen Verpflichtungen gewährleisten, dass die Übernahme von E-Plus den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt nicht beeinträchtigen wird", begründete Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia gestern sein "Ja" zur Übernahme in Brüssel.

Telefónica hat die geplante Übernahme von E-Plus am 31. Oktober 2013 bei der Kommission angemeldet. Am 20. Dezember 2013 leitete die Kommission eine eingehende Prüfung ein.

Die Unternehmen wollen durch den vor einem Jahr angekündigten Zusammenschluss vor allem Kosten reduzieren: Telefonica hofft auf Einsparungen bis zu 5,5 Milliarden Euro. Möglich ist das vor allem, da nur noch eines der bisher zwei Mobilfunknetze betrieben werden muss. Der Unterhalt der Netze ist sehr teuer. Telefónica Deutschland (O2) reagierte gestern erleichtert auf die Genehmigung aus Brüssel: "Sie zeigt, dass Konsolidierung innerhalb Europas möglich ist und fördert Investitionen in das Geschäft mit mobilen Daten", sagte Vorstand Markus Haas in München.

Eigentlich hatte das Bundeskartellamt die Fusion auf Herz und Nieren prüfen wollen. Die EU zog das Verfahren aber an sich.

Bislang beherrschen vier große Mobilfunkbetreiber mit eigenem Netz den deutschen Markt: Die Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus sowie Telefónica Deutschland mit der Marke O2. Telefónica Deutschland gehört zum spanischen Mutterhaus Telefónica, während E-Plus Teil des niederländischen KPN-Konzerns ist. Die Umsätze der vier Betreiber mit Gesprächsminuten und Datenpaketen sanken 2013 um fünf Prozent.

Allerdings gibt es daneben noch Anbieter, die zwar kein eigenes Netz haben, aber Netzkapazitäten von den genannten Firmen leihen. Gegenüber den Kunden treten sie auf wie die Großen und schließen Verträge über Handynutzung und anderes ab.

"Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen", gab sich Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia nach seiner Entscheidung überzeugt.

Verbraucherschützer zeigten sich allerdings skeptischer. "Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren, gerade, was die Billigmarken angeht", sagte Ilja Braun vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Es könne gut sein, dass einige der Marken, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden, verschwinden. Auch das Service-Angebot könnte leiden, fürchtete Braun: "Ich kann mir vorstellen, dass Läden schließen. Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben."

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(ing)