Audi-Rückruf 2018 wegen "unzulässiger Abschaltvorrichtungen"

Abgas-Affäre : Der neue Audi-Rückruf

Der Staat gibt sich bei 127.000 Wagen mit V6-Dieselmotor nicht mit einer freiwilligen Umrüstung zufrieden. Audi muss liefern.

Die Abgasaffäre im VW-Konzern verschärft sich erneut. Audi muss fast 130.000 weitere Dieselmodelle in die Werkstätten zurückholen und umrüsten. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat für V6-Dieselfahrzeuge der VW-Tochter einen Zwangsrückruf verhängt.

Der Hersteller sei informiert worden, dass die Behörde in den Audi-Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5 (und dem sehr ähnlichen SQ5) sowie Q7 mit der Abgasnorm 6 "unzulässige Abschaltvorrichtungen" festgestellt habe. Das erklärte das Bundesverkehrsministeriums am Sonntag. Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet. Insgesamt seien in Deutschland 77.600 Fahrzeuge betroffen, global 127.000 Fahrzeuge.

Bei Audi hieß es, seit Monaten untersuche das Unternehmen mit Hochdruck alle Diesel-Konzepte auf etwaige Unregelmäßigkeiten und Nachrüstungspotenziale. Dabei arbeite man eng mit den Behörden zusammen. Im Zuge dieser Überprüfung und Auswertung habe das Kraftfahrt-Bundesamt nun Bescheide für Audi-Modelle mit V6-TDI-Motoren erlassen. Daher müssten Teile der Software einzelner Typen umgerüstet werden.

Die Software der Motorsteuerung für die betreffenden Fahrzeuge werde überarbeitet, getestet und dem Kraftfahrt-Bundesamt zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. "Sobald die Software freigegeben ist, werden die betroffenen Kunden benachrichtigt", erklärte Audi weiter. Laut "Bild am Sonntag" muss Audi bis zum 2. Februar Lösungen für alle betroffenen Modelle vorlegen.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen lobt, dass Audi zuerst versuchte, die Probleme freiwillig zu lösen. Dass nun ein Zwangsrückruf angeordnet worden sei, zeige, wie ernst die Lage ist: "Das Kraftfahrtbundesamt sieht die Mängel als Verstoß gegen Umweltgesetze an, die unbedingt ausgeräumt werden müssen. Der Mutterkonzern in Wolfsburg wird verärgert sein über die Eskalation der Ereignisse."

Die Produktion von Neufahrzeugen sei bereits umgestellt, erklärt Audi. Nach Freigabe der Updates durch das KBA muss der Hersteller unverzüglich die betroffenen Fahrzeuge zurückrufen und entsprechend umrüsten. Anschließend hat die Firma 18 Monate Zeit.

Weitere unzulässige Abschaltvorrichtungen würden noch geprüft

Die Behörde beanstande eine sogenannte "Aufheizstrategie", die nur auf dem Prüfstand aktiv sei und im Straßenbetrieb abgeschaltet werde, so der Bericht. Weitere mögliche unzulässige Abschaltvorrichtungen würden noch näher geprüft.

Es wird weiter berichtet, für ein A8-Modell, das bis Mitte 2017 produziert wurde, drohe das KBA Audi sogar mit einem Zulassungsverbot. Hier sei die Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes so gravierend, dass die Behörde keine Möglichkeit sehe, das Auto in einen vorschriftsmäßigen Zustand zu versetzen.

Nach Darstellung von Audi handelt es sich hier um eine nachträgliche Anordnung zu einem Bescheid des KBA, der im November 2017 gemeldet worden sei und der einen Rückruf von 5000 Autos in Europa beinhalte. Betroffen war das bisherige Flaggschiff von Audi, der A8 mit TDI-Achtzylinder-Motor und Euro-6-Zulassung. Er wurde bis vergangenen August gebaut.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Audi-Modelle sind vom Rückruf betroffen

(RP)
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