Audi-Chef Rupert Stadler muss gehen

Kommentar: Der Audi-Chef muss gehen

Die Justiz ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen Audi-Chef Rupert Stadler. Es wird Zeit für einen Rücktritt und einen Kulturwandel im Unternehmen.

In den Anfängen des Abgasskandals hatten Behörden und Justiz wenig Ehrgeiz bei der Aufklärung an den Tag gelegt. Großflächiger Betrug in der Vorzeigebranche der deutschen Industrie schien unvorstellbar. Doch seit die US-Justiz Volkswagen zu Milliardenzahlungen verdonnert und Manager verurteilt hat, ist auch der deutsche Staat auf Betriebstemperatur gekommen. Mit den Ermittlungen gegen Audi-Chef Rupert Stadler scheint die Justiz nun in das Herz der Affäre vorzustoßen, ist doch Audi das Zentrum der Motorentwicklung im VW-Konzern. Selbstredend gilt auch für den smarten Top-Manager, der seit 2007 an der Spitze von Audi steht und alle Vorwürfe zurückweist, die Unschuldsvermutung. Unabhängig davon, wie die Sache ausgeht: Gehen muss er in jedem Fall - wegen Betrugs, wenn er die Manipulationen angeordnet oder geduldet hat, wegen Managementversagens, wenn er sie nicht bemerkt hat.

Dass sich Stadler überhaupt so lange halten konnte, ist ohnehin nur den Besonderheiten im Wolfsburger Riesenreich zu verdanken. In jedem „normalen“ Konzern hätten die Aufsichtsräte ihren Vorstandschef viel früher zur Verantwortung gezogen. Doch Volkswagen und seine Töchter sind keine normalen Unternehmen. Die enge Verquickung von den Eigentümerfamilien, der IG Metall und dem Land Niedersachsen verhindert bis heute eine tiefgreifende Aufklärung. Der viel beschworene Kulturwandel hat nicht stattgefunden. Das zeigt sich auch daran, dass Hans Dieter Pötsch, als Finanzvorstand der Ära Winterkorn ein Mann des alten Systems, bis heute Aufsichtsrats-Chef von Volkswagen und Kontrolleur bei Audi ist.

  • Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG,
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Das Schlimme daran ist, dass Volkswagen nicht nur sich und seine Hunderttausende Mitarbeiter in Not bringt, sondern den Ruf der gesamten deutsche Autoindustrie beschädigt. Der Konzern braucht mehr als ein Software-Update, um wirklich aus der Krise zu kommen.

(anh)