Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen

Diesel-Skandal : Audi-Chef Stadler festgenommen

Der wegen des Diesel-Skandals unter Druck stehende Audi-Chef Rupert Stadler ist am Montagvormittag vorläufig festgenommen worden. Erst vor wenigen Tagen durchsuchten Ermittler dessen Privatwohnung.

In der Abgas-Affäre ist Audi-Chef Rupert Stadler am Montag vorläufig festgenommen worden. „Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat“, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Als Grund nannte die Behörde Verdunkelungsgefahr.

Ein VW-Sprecher bestätigte die Festnahme. „Darüber hinaus können wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen inhaltlich nicht äußern. Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.“

Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef. Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn sowie ein weiteres Mitglied des Vorstands der VW-Tochter eingeleitet zu haben. Sie legt ihnen „Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last“. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht.

Zur Sicherung von Beweismaterial waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Privatwohnungen von Stadlerund dem nicht genannten Vorstandsmitglied durchsucht worden. Die Zahl der Beschuldigten stieg damit auf 20.

Aktien von VW brechen ein

Nach der Festnahme haben die Vorzugsaktien von Volkswagen am Montag deutlich nachgegeben. Mit einem Abschlag von 1,93 Prozent auf 157,93 Euro waren sie am Vormittag der größte Verlierer im Dax. VW-Papiere gaben damit wesentlich stärker nach als die Papiere von BMW (-0,9 Prozent) und Daimler (-1 Prozent).

Mit Stadler sei in der Aufarbeitung der Dieselaffäre der bislang ranghöchste Manager des VW-Konzerns festgenommen worden, sagte ein Händler. Anleger reagierten folglich mit Vorsicht und lösten VW-Positionen auf.

Neben Stadler sitzt als Beschuldigter auch ein ehemaliger Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 verhaftet worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittforderungen laut geworden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Audi-Chef Rupert Stadler

(csr/Reuters/dpa)