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Auch Bayer-Mitarbeiter in der Ukraine eingezogen - Bilanz im Schatten des Krieges

Bilanz im Schatten des Krieges : Auch Bayer-Mitarbeiter in der Ukraine eingezogen

Bayer ist erschüttert vom Krieg gegen die Ukraine, wo der Konzern 700 Mitarbeiter hat. Sie werden mit Bargeld und Notunterkünften versorgt. Einen Rückzug aus Russland hat Bayer nicht vor. Mit 2021 ist der Konzern trotz des Gewinn-Rückgangs zufrieden und hofft auf eine Lösung der Glyphosat-Klagen.

Der Krieg gegen die Ukraine erschüttert auch den Bayer-Konzern. „Ein Angriffskrieg auf ein souveränes Land mitten in Europa, das ist ein schwerer Schlag für die universellen Werte der Freiheit und der Demokratie“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann bei der Vorstellung der Bilanz für 2021. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um unsere Kollegen in der Ukraine sowie ihre Familien zu unterstützen.“ Dazu gehöre die Bereitstellung von Notunterkünften und Bargeld, da es zunehmend schwer ist, an Geld zu kommen. Zudem tue man alles, um das Land weiter mit Medikamenten und Agrar-Produkten zu versorgen.

Bayer hat in der Ukraine 700 Beschäftigte, die vor allem in der Saatgut-Produktion tätig sind. „Auch von uns sind Mitarbeiter zum Wehrdienst eingezogen worden“, berichtet Baumann. Die Produktion sei für diese Saison bereits durch, das Saatgut in den Händen der Bauern. Es gehe für Bayer jetzt nicht um wirtschaftliche Fragen, sondern darum, den Menschen zu helfen, so Baumann. Die Ukraine macht weniger als ein Prozent am Bayer-Umsatz aus.

In Russland hat Bayer 1800 Mitarbeiter, aber keine Werke. Hier spielt das Pharma-Geschäft eine größere Rolle. Das Russland-Geschäft macht zwei Prozent des Umsatzes aus. Baumann hofft darauf, dass nicht nur die Zahlungen  von Energieunternehmen, sondern auch von Pharma- und Nahrungsmittel-Herstellern vom Zahlungssystem Swift weiter abgewickelt werden können. Viele Menschen seien auf diese Produkte angewiesen, so der Bayer-Chef. Die teilweise Blockade von Swift ist Teil der westlichen Sanktionen.

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Sanktionen werde man selbstverständlich umsetzen, so Baumann weiter. „Es gilt das Primat der Politik.“ Ein Rückzug aus Russland ist dagegen kein Thema für Bayer: „Wir sind als good citizen (guter Bürger) in den Ländern aktiv. Sofern es keine weiteren Einschränkungen gibt, werden wir an dem Geschäft festhalten.“

Ob es 2022 eine schwere Rezession gibt, vermag Bayer noch nicht einzuschätzen. Mit dem vergangenen Jahr ist der Konzern zufrieden. „Wir sind deutlich gewachsen. Wir haben unsere Innovationspipeline gestärkt. All das zeigt: Bayer ist auf dem richtigen Weg“, sagte Baumann.

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Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto will allerdings noch kein  Erfolg werden. Zwar erzielte die Sparte Crop Science einen Rekordumsatz und erhöhte den Gewinn. Doch die ungelösten Klagen lasten weiter auf dem Konzern. Bayer selbst sieht es als ermutigend an, dass der Oberste Gerichtshof in den USA Interesse am Fall Hardeman gezeigt hat, indem er über den Generalanwalt eine Stellungnahme der US-Regierung erbeten hat. Der Generalanwalt soll sagen, ob der Gerichtshof den Fall annehmen soll, was tendenziell günstig wäre für Bayer. Bayer sei aber auf jedes Ergebnis des Gerichts vorbereitet, betonte der Konzern und verwies darauf, zwei Jury-Prozesse um Schadenersatz in Kalifornien gewonnen zu haben.

Im vergangenen Jahr erhöhte Bayer seinen Umsatz um fast neun Prozent auf gut 44 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um 2,5 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Der Konzern machte hierfür höhere Kosten und negativer Währungseffekte verantwortlich. Die Aktionäre sollen erneut eine Dividende von zwei Euro je Aktie erhalten.

Die Sparten Crop Science (Agrochemie) und Consumer Health (rezeptfreie Arzneien) konnten ihren Gewinn erhöhen. Unter anderem verkaufte Bayer mehr Nahrungsergänzungsmittel. Bei Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneien) hingegen sank der Gewinn. Ursache seien höhere Forschungs- und Marketingausgaben. Bei den Medikamenten gibt es Verschiebungen: Das Geschäft mit dem neuen Krebsmedikament Nubeqa habe sich positiv entwickelt, vor allem in den USA. Der Umsatz mit dem schon lange vertriebenen Krebsmedikament Nexavar verringerte sich hingegen stark - vor allem in China infolge des starkem Wettbewerbs.

Der niedrige Aktienkurs belastet auch den Vorstand: „Mit dem Kurs können wir nicht zufrieden sein, er gibt den wahren Wert nicht annäherend wider“, ist Finanzvorstand Wolfgang Nickl überzeugt.