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Offene Fragen sollen geklärt werden: Atomkraftwerk Krümmel bleibt wochenlang abgeschaltet

Offene Fragen sollen geklärt werden : Atomkraftwerk Krümmel bleibt wochenlang abgeschaltet

Berlin/Kiel (RPO). Das Atomkraftwerk Krümmel soll nach den zahlreichen Pannen der vergangenen Tage noch bis mindestens Ende August abgeschaltet bleiben. Zunächst sollten offene Fragen geklärt werden, sagte der Chef des Betreibers Vattenfall, Klaus Rauscher.

Vorwürfe und Zweifel an der Zuverlässigkeit als Atombetreiber wies er zurück und beklagte eine politische Kampagne gegen die Kernkraft. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel rügte Vattenfall wegen mangelnder Mithilfe bei der Aufklärung.

Der SPD-Politiker forderte zugleich im "Tagesspiegel" alle Energiekonzerne auf, die Lehren aus den Zwischenfällen in Krümmel und Brunsbüttel zu ziehen und ältere Kernkraftwerke schnellstens ganz vom Netz zu nehmen. Ihre Laufzeiten sollten auf jüngere Kraftwerke übertragen werden. Die Betreiber täten dies nur nicht, weil sie mit den alten Meilern täglich eine Million Euro Gewinn machten, kritisierte Gabriel.

Täglicher Verlust von 500.000 Euro

Vattenfall gibt den Verlust durch den Stillstand von Krümmel mit täglich 500.000 Euro an. In Krümmel hatte am 28. Juni ein Transformator gebrannt, am gleichen Tag fiel auch das Vattenfall-Akw Brunsbüttel nach einem Kurzschluss aus. Anschließend wurden in beiden Fällen nach und nach mehrere Pannen und Ungereimtheiten bekannt.

Am Dienstag berichtete Vattenfall von einem weiteren "meldepflichtigen Ereignis". Ähnlich wie im RWE-Reaktor Biblis sind auch in Krümmel falsche Dübel montiert. Ausfindig gemacht wurden nach Angaben des Unternehmens zunächst zwei Dübel, die nicht in Atomanlagen eingesetzt werden dürfen. Möglicherweise seien es insgesamt 14.

Gabriel kritisierte die Aufklärungsarbeit von Vattenfall nach den Zwischenfällen. Bei einem Gespräch der Atomaufsicht von Bund und Ländern mit dem Betreiber am Montag seien zwar die technischen Abläufe weitgehend geklärt worden. Doch hätten die beiden am Unglückstag verantwortlichen Mitarbeiter, ein Schichtleiter und ein Reaktorfahrer, nicht befragt werden können. "Das werden wir nicht hinnehmen", sagte der Minister. Er fügte an, es sei "völlig berechtigt, wenn die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein fragt, ob Vattenfall einen sicheren Betrieb noch gewährleisten kann".

Vattenfall lehnt die Befragung der Mitarbeiter ab und verweist auf einen bis Freitag geplanten schriftlichen Bericht.

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Revision wird abgewartet

Vattenfall-Chef Rauscher sagte, fest stehe, dass man die Atomaufsicht in Kiel umfassend und schnell über die Zwischenfälle in Krümmel und Brunsbüttel informiert und dass zu keiner Zeit Gefahr für Menschen bestanden habe. Die Zwischenfälle würden nun von Atomkritikern in der Politik für eine "Kampagne" instrumentalisiert.

Das Unternehmen sei aber selbstkritisch, und man könne über eine Verbesserung der öffentlichen Information nachdenken, sagte Rauscher. Deshalb sollten nun zunächst offene Fragen geklärt werden, bevor Krümmel wieder ans Netz gehe. Das habe der Vattenfall-Vorstand entschieden. Der zuständige Geschäftsführer Bruno Thomauske sagte, am 5. August hätte ohnehin die dreieinhalbwöchige Revision des Reaktors angestanden. Vorher werde er nicht mehr angefahren.

Das Kieler Sozialministerium forderte bis Freitag auch einen ausführlichen Bericht über eine überhöhte Wasserstoffansammlung im AKW Brunsbüttel an. Vattenfall habe nun zwei Wochen Zeit, um dort die betroffenen Leitungen zu reinigen. Thomauske sagte, man werde dies unverzüglich tun.

Hier geht es zur Infostrecke: Atomkraftwerke in Deutschland

(ap)