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Apple verdient 170 Millionen Euro am Tag

Technik-Riese : 170 Mio Euro täglich - Wie kriegt Apple das hin?

Vor 18 Jahren ging Apple fast pleite, im Weihnachtsgeschäft bescherte das neue iPhone 6 dem Konzern nun einen Quartalsgewinn von 15,7 Milliarden Euro. Das Erfolgsgeheimnis? Der Computerbauer wurde Lifestyle-Konzern.

Diese Großzügigkeit muss Microsoft-Gründer Bill Gates noch immer bereuen: 1997 schoss er 150 Millionen Dollar beim damals fast noch unbedeutenden Computerbauer Apple ein, um den vor der Pleite zu retten. Was daraus wurde, sieht man derzeit. Gestern hat sich erneut bestätigt, wie gefährlich Apple Microsoft geworden ist: Der Gewinn von umgerechnet 15,7 Milliarden Euro im abgelaufenen Quartal lag so hoch wie noch nie bei einem Konzern weltweit. Das entspricht 170 Millionen Euro Überschuss am Tag.

Mit 74,6 Millionen im Weihnachtsgeschäft verkauften iPhones hat Apple doppelt so viele Handys abgesetzt wie die von Microsoft übernommene Nokia, der Ex-Weltmarktführer beim Handygeschäft. Und mit einem iPhone Umsatz von 44,5 Milliarden Euro in nur drei Monaten hat Apple natürlich auch Samsung beim Handy-Umsatz weit überrundet: Die Koreaner verkauften zwar fast doppelt so viele Han-dys wie Apple, aber an den Durchschnittspreis von fast 600 Euro pro iPhone kommt Samsung nicht ran.

Klasse und immer stärker auch Masse: Mit dieser Strategie hat sich Apple zum erfolgreichsten Technologie-Konzern des Globus entwickelt. Der Börsenwert liegt mit 560 Milliarden Euro so hoch wie bei keiner anderen Firma - allein der gestrige Kurssprung um sechs Prozent erhöhte den Börsenwert um mehr als 30 Milliarden Euro.

Auf dem Weg zu diesem Erfolg hat sich Apple fünfmal gewandelt. Unter dem 2011 gestorbenem Gründer Steve Jobs und seinem Kompagnon Steve Wozniak revolutionierte Apple mit dem Mac-Computer zwar das Computergeschäft, weil seine grafische Oberfläche Vorbild für die Branche und für Windows wurde - viel Geld brachte das aber nicht.

Seit 2001 setzte Steve Jobs mit dem Musikspieler iPod erstmals auf das breite Konsumentengeschäft. Ab 2007 hat sich Apple mit dem iPhone als Edelmarke im damals bereits boomenden Handygeschäft etabliert. Der iPad brachte seit 2010 noch unter Steve Jobs, der im Oktober 2011 starb, eine ganz neue Art Computer in Mode.

Doch spätestens seit der Logistikexperte Tim Cook im August 2011 neuer Vorstandschef wurde, hat sich Apple auch zum ganz normalen Lifestyle-Konzern gewandelt, der keine Hemmungen hat, die Ideen der Konkurrenz zu übernehmen.

Samsung, Sony und Motorola haben digitale Armbänder auf den Markt gebracht - dieses Frühjahr folgt die Apple-Watch. Die Konkurrenz verkauft immer mehr billige Smartphones - also brachte Apple Ende 2013 das Einsteigermodell iPhone 5 C aus Plastik. Und während Steve Jobs es noch höhnisch abgelehnt hatte, die kleinen iPhones ähnlich groß wie einige Modelle der Wettbewerber zu bauen, folgt Tim Cook dem Trend zur Größe mit beachtlichem Erfolg: Der Start des iPhone 6 und des noch größeren iPhone 6 Plus im September 2014 erhöhte den Absatz der Apple-Smartphones im Weihnachtsgeschäft um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Wir möchten unseren Kunden für ein unglaubliches Quartal danken", jubelte denn auch Cook in der Nacht zu gestern.

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Doch so phänomenal der Erfolg der iPhones ist, so abhängig ist Apple von ihnen. Im gesamten vergangenen Jahr kamen etwa 60 Prozent des Apple-Umsatzes vom iPhone, im letzten Quartal 2014 mit den neuen iPhones waren es sogar rund 68 Prozent.

Cook weiss um die einseitige Ausrichtung des Konzerns und nutzt das iPhone als Marketinginstrument für die anderen Geräte: Einmal gekaufte Inhalte wie Musik, Spiele oder Apps lassen sich auf bis zu sechs Apple-Geräten nutzen - das soll iPhone-Nutzer zum Kauf weiterer Geräte motivieren. Texte und Fotos lassen sich gut zwischen Geräten übertragen - einmal Apple, immer Apple, das ist das Ziel.

Der Erfolg? Der Absatz der iPads lag im Weihnachtsquartal mit 21,4 Millionen Stück ein Sechstel niedriger als ein Jahr davor - das iPhone 6 Plus kannibalisiert das iPad Mini. Der Mac-Verkauf stieg dagegen in einem Jahr um 15 Prozent auf 5,2 Millionen Stück.

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(RP)