Zur Chefsache erklärt: Apple und Google ringen um Handy-Patente

Zur Chefsache erklärt : Apple und Google ringen um Handy-Patente

Nach dem juristischen Triumph im Patentstreit mit Samsung nimmt sich Apple den Rivalen Google vor die Brust. Apple-Chef Tim Cook und sein Google-Kollege Larry Page sprachen vergangene Woche miteinander über den Schutz geistigen Eigentums, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

In dem Telefonat sei es auch um den laufenden Handy-Patentstreit des iPhone-Herstellers mit dem Internetkonzern gegangen, dessen Betriebssystem Android auf einer Vielzahl von Apple-Konkurrenzprodukten zum Einsatz kommt. Ein für Freitag geplantes weiteres Gespräch sei verschoben worden. Die Gründe blieben zunächst unklar.

Das Google-Betriebssystem Android läuft nicht zuletzt auf den Geräten des südkoreanischen Konzerns Samsung, der in der vergangenen Woche von einem US-Gericht zu einer Schadenersatzzahlung von mehr als einer Milliarde an Apple verurteilt worden war. Die Jury im kalifornischen San Jose sah es nach weniger als drei Tagen Beratungen als erwiesen an, dass Samsung das iPhone nachgeahmt hat.

Sämtliche Patentklagen von Samsung wurden dagegen abgewiesen. Apple hat das US-Urteil als Warnschuss an die gesamte Branche gefeiert, vor allem Google rückt Experten zufolge jetzt ins Visier. Vielen Beobachtern gilt Apples Streit mit Samsung als Stellvertreterkrieg für die Auseinandersetzung mit Google um das Betriebssystem Android.

In den Kreisen wurde die Vermutung geäußert, dass Cook und Page bei ihrem jüngsten Gespräch eine Art Waffenstillstand im Kampf um Android erörtert haben könnten. Allerdings blieb unklar, ob die beiden Top-Manager tatsächlich über eine umfassende Übereinkunft in der Vielzahl der Konflikte gesprochen haben oder ob sie sich eher über einzelne Themen austauschten.

Eine formale Einigung habe das Gespräch nicht gebracht, es solle aber fortgesetzt werden, hieß es in Kreisen. Apple und Google lehnten Stellungnahmen ab.

Samsung erzielt Erfolg vor Gericht

Der Konkurrenzkampf der beiden Technologie-Riesen hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Hintergrund ist der Siegeszug mobiler Geräte in der traditionell von PCs geprägten Branche. Die Google-Software Android ist zum führenden Betriebssystem für Smartphones aufgestiegen und gleichzeitig zum Gegenstand zahlreicher Rechtsstreitigkeiten geworden.

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte Android einst als ein "gestohlenes Produkt" gebrandmarkt. Der inzwischen zu Google gehörende Handy-Hersteller Motorola Mobility wiederum legte zuletzt Beschwerde bei der US-Handelskommission ein, weil er seine Patente in Apple-Produkten verletzt sieht.

Apple bemüht sich seit einigen Monaten, den Einsatz von Google-Produkten in den eigenen Geräten zu verringern. So werden neue iPhones nicht länger automatisch mit einer Verbindung zu der Google-eigenen Video-Plattform You Tube ausgestattet. Zudem startete Apple seine eigene Landkarten-Software, um das entsprechende Google-Produkt zu ersetzen.

Auch bei dem ebenfalls mit einer Android-Version betriebenen Tablet-PC des Internet-Händlers Amazon, dem Kindle Fire, kommt Google Kreisen zufolge künftig mit seinen Stadtplänen nicht mehr zum Zuge.

Vielmehr habe sich Amazon mit dem finnischen Handy-Hersteller Nokia auf eine Kooperation in diesem Bereich verständigt, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Nach der schweren Patent-Niederlage in Kalifornien macht der südkoreanische Apple-Rivale Samsung inzwischen in Asien wieder Punkte. Ein japanisches Gericht wies am Freitag eine Klage des iPhone-Herstellers gegen den Galaxy-Produzenten ab.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Apple versus Samsung - Fakten zum Patentstreit

(REU)
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