Auf Du und Du mit der KI So stellt sich Apple die Zukunft des Smartphones vor

Düsseldorf/Cupertino · Der iPhone-Konzern führt Apple Intelligence ein. Das iPhone kann komplexe Aufgaben übernehmen – aber nicht sofort in Deutschland. Apps werden aber sowieso immer weiter entwickelt.

 Apple-Chef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz in Cupertino (bei San Francisco).

Apple-Chef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz in Cupertino (bei San Francisco).

Foto: Getty Images via AFP/JUSTIN SULLIVAN

Künftig will Apple eng mit der führenden Firma für künstliche Intelligenz (KI) Open AI zusammenarbeiten. Gleichzeitig wird KI immer stärker in das Betriebssystem, in die Mail-Systeme oder die Fotobearbeitung integriert. Wir erklären, was das bedeutet.

Wie sieht Apples KI-Strategie grundsätzlich aus?

Auf der Entwicklerkonferenz (WWDC) stellte der Konzern eine dreistufige Strategie für die Anwendung von KI vor. Erstens wird KI sowieso bereits in rund 200 Anwendungen wie automatischer Wortergänzung oder der Auswahl von Fotos genutzt, was nun stark ausgebaut wird. Zweitens führt Apple das System „Apple Intelligence“ in die Betriebssysteme ein, was über eine Vielzahl von Apps und Anwendungen hinweg das Lösen von komplexen Aufgaben ermöglicht. Drittens wird ChatGPT direkt mit Apples Sprachassistent Siri verbunden. Die Nutzer können künftig also per Sprachbefehl ohne Umweg über die ChatGPT-App direkt Fragen oder Bitten an das weltweit führende KI-System richten.

Was bedeutet das konkret?

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Foto: dpa/Jeff Chiu

Als Einzelanwendungen werden die Nutzer bei einem Text eine Zusammenfassung machen lassen. E-Mails können nach Dringlichkeit sortiert werden, ebenso andere Nachrichten. Kunden können innerhalb ihrer immer größeren Foto- und Videosammlungen viel gezielter nach Motiven suchen – so könnten etwa auf Sprachbefehl hin alle Fotos herausgesucht werden, bei denen die Tochter in New York eine pinke Hose anhatte. Es wird möglich sein, die Tonlage eines Briefes nachträglich zu ändern. Dann würde die KI einige freundliche Formulierungen einfügen, damit alles diplomatischer klingt. Grafiken passend zu Texten lassen sich automatisch erstellen.

Software-Chef Craig Federighi zeigte bei seiner Präsentation, wie etwas schwierigere Aufgaben gelöst werden. Ein beruflicher Termin soll verschoben werden, und er will wissen, ob er es dann noch immer zur Theateraufführung seiner Tochter schafft. Um die Antwort zu geben, sucht die Software dann eigenständig nach den Orten der Termine und berechnet die notwendige Fahrzeit. Infos aus dem Terminkalender, aus Mails und aus Navigationsapps werden dafür zusammengeführt, auch das Reservieren eines Restaurants oder eines Parkplatzes könnte dann automatisch möglich sein.

Was ist mit dem Datenschutz?

Der US-Konzern erklärt, alle Arbeiten von Apple Intelligence würden entweder auf dem Gerät selbst erledigt oder auf streng abgeschirmten Servern. Elon Musik, Gründer von Tesla, behauptet dagegen, es sei damit zu rechnen, dass OpenAI massenhaft Daten der Apple-Nutzer ausschlachten werde, um die eigenen KI-Systeme zu trainieren. Besonders logisch ist das nicht, weil Apple großen Wert auf Datenschutz setzt, um gute Geschäfte machen zu können. Der Konzern bietet an, dass externe Experten das Apple-Intelligence-System beim Datenschutz überprüfen.

Der deutsche Technologie-Experte Frank Thelen meint, die spannendste Frage zu Apple Intelligence sei, ob das System eigenständig entwickelt worden sei oder ob es in Wahrheit von OpenAI komme. Er lobt das ganze Konzept als „sauber und durchdacht“, weil eben geplant ist, dass eine Reihe an Apps zentral koordiniert durch KI zusammenarbeiten.

Dabei ist zu sehen, dass Apple das Ökosystem der per Fingerdruck anwählbaren Apps erst entwickelt hat und so dem Smartphone zum globalen Durchbruch verholfen hat.

Wie schnell kommen die Angebote?

Bei vielen Apps geht die separate Weiterentwicklung ohnehin voran. Weil Apple Intelligence aber sehr viel Rechenpower braucht, wird dieses integrierte KI-System nur auf den im Herbst angebotenen neuen iPhones nutzbar sein. Einzige Ausnahme ist das iPhone 15 Pro aus dem vergangenen Jahr. Selbst Käufer des günstigeren iPhone 15 haben keinen Zugriff. Bei den Macs ist die Basis breiter. Es genügt, dass sie einen hauseigenen Apple-Chip der M-Serie haben statt eines Intel-Prozessors. Außerdem scheint es so, dass Apple Intelligence anfangs nur nutzbar ist, wenn die Gerätesprache auf Englisch eingestellt ist. Die Unterstützung von deutscher Sprache kommt wohl erst 2025.

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