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Apple: Bessere Ausstattung kostet überproportional viel

Analyse : Zusatzteile machen Apple reich

Bei der neuen iWatch treibt Apple eine Tradition auf die Spitze: Das Basisprodukt ist inklusive Software halbwegs erschwinglich, doch eine etwas bessere Ausstattung kostet überproportional viel. Die Aktionäre freuen sich.

Apple-Jünger dachten bisher, der US-Konzern sei ganz einfach der innovativste Anbieter von digitalem Spielzeug aller Art. Seit der Präsentation der Apple Watch in der Nacht zu gestern sind sie klüger. Da erläuterte zuerst ein Video, warum Aluminium bei Apple nun eine ganz neue Qualität hat - nun ja, das Basismodell der neuen Computeruhr mit einem solchen Gehäuse kostet ja auch mit 399 Euro rund 150 Euro mehr als viele Wettbewerbsmodelle. Und als ob Apple in die Fußstapfen von ThyssenKrupp treten will, sahen die Gäste zweieinhalb Minuten lang Bilder von Hochöfen, glühenden Stahlblöcken und Fräsmaschinen - die Botschaft dahinter: Ein Edelstahlgehäuse von Apple statt des Alugehäuses muss dem Kunden schon läppische 250 Euro Aufschlag wert sein.

"Wenn der Irrsinn keine Grenzen mehr kennt", spottet Konzernkritiker Sascha Pallenberg über diese Preispolitik in seinem Blog. "Apple schöpft den Markt mit seiner Markenstärke schon maximal aus", ergänzt der Kölner Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki. Denn die Produkte des US-Konzerns sind zwar meist technische Spitze und beim Einstiegsmodell noch halbwegs erschwinglich, doch jedes Extra muss bezahlt werden. Beim iPhone kostet es 200 Euro Zuschlag, wenn die Nutzer statt 16 Gigabyte Speicher 128 Gigabyte buchen. Im Wahrheit kostet der zusätzliche Speicherplatz rund 25 Euro.

Den Flachcomputer iPad Air können die Kunden für 389 Euro bestellen, doch für ein Mobilfunkmodul sind 120 Euro Aufschlag fällig. Das Modul kostet aber beim Einkauf maximal 20 Euro. Und bei der neuen Apple-Uhr kennen die Preise erst recht keine Grenzen. Sie kostet trotz Massenfertigung in China 1249 Euro, wenn der Kunde sich für ein Edelstahlgehäuse und ein Gliederarmband entscheidet. Und obwohl Apple sich rühmt, das 500 Euro teure Gliederarmband extrem aufwendig herstellen zu lassen, hilft auch hier ein Vergleich: Ähnliche Armbänder gibt es bei guten Herstellern für 100 Euro oder weniger - der Aufschlag ist die Apple-Marge.

Drei Punkte zeigen, wohin die Preispolitik des profitabelsten Konzerns der Welt zielt: Traditionell verteilt Apple jedes Update der Betriebssysteme kostenlos. Die Betriebssysteme sind zwischen einfachstem und teuerstem Modell einer Kategorie identisch - junge Kunden mit wenig Geld sollen also die Einsteigermodelle erwerben, um sich nach einigen Jahren für ein teureres Modell zu entscheiden. Die Devise dahinter: einmal Apple, immer Apple.

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Immer mehr Apps, die früher kostenpflichtig waren, gibt es heute umsonst. Denn der Geräteabsatz bringt mehr als einige Millionen Euro für Software. Auch das kostenlose Angebot des neuen Albums der Rockband U2 für alle Apple-Kunden passt in diese Taktik. "Das brachte Aufmerksamkeit", sagt Professor Skibicki, "und es soll die Kundenbindung erhöhen".

Auch die goldene Apple Watch ab 11.000 Euro passt in die Strategie: Apple positioniert sich als Edelmarke - egal, ob die Kunststoffarmbänder der Einstiegsklasse nur einige Euro kosten. Und damit die Gold-Uhren auch viel Geld bringen,hat sich Apple ein interessantes Patent gesichert: Das goldene Gehäuse mit 18 Karat braucht wegen beigemischter Härterzusätze deutlich weniger teures Gold als bei anderen Herstellverfahren.

(RP)