lebensmittelklarheit.de: Ansturm legt neue Lebensmittel-Internetseite lahm

lebensmittelklarheit.de : Ansturm legt neue Lebensmittel-Internetseite lahm

Hamburg/Osnabrück/Frankfurt (RPO). Das neue Lebensmittel-Internetportal lebensmittelklarheit.de stößt auf riesiges Interesse. Kurz nach der Freischaltung brach die Seite wegen des Besucheransturms zusammen. Industrie, FDP und Grüne äußern Kritik an dem Portal.

Es sei "ein echtes Überlastungsproblem", kommentierte die Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen, Ute Bitter, den Ausfall der Seite. Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV) prasselten am Nachmittag 20.000 Anfragen pro Sekunde auf das Portal nieder. Es solle schnellstmöglich stabilisiert werden, sagte Bitter.

Auf der Internetseite können Verbraucher Lebensmittel melden, deren Kennzeichnung und Aufmachung sie in die Irre geführt hat.

Lebensmittel-Internetseite in der Kritik

Das Portal lebensmittelklarheit.de hat zum Ziel, Verbrauchern, die sich durch die Aufmachung von Produkten oder die Werbung dafür getäuscht fühlen, allgemeine Informationen zur Kennzeichnung zu geben.

Die stellvertretende Fraktionschefin Bärbel Höhn sagte dem dem "Hamburger Abendblatt", die Plattform sei kein Ersatz für gesetzliche Regelungen gegen irreführende Werbung und für eine transparente und leicht verständliche Etikettierung.

Der Vorsitzende des Bundestags-Agrarausschusses, Michael Goldmann (FDP), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) transportiere mit dem Portal die Ängste der Verbraucher vor Lebensmitteln. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Matthias Horst, sprach von einem Pranger.

Höhn sagte, Aigner dürfe die Verantwortung nicht allein den Konsumenten aufbürden. Bei der Kennzeichnung habe die Ministerin bisher nur wenig Rückgrat gegenüber der Lebensmittellobby gezeigt. Höhn lobte die seit Jahren von Verbraucherschützern und Ärzten geforderte sogenannte Nährwertampel. "Mithilfe der Nährwertampel könnten die Verbraucher mit einem Blick erkennen, welche Lebensmittel zucker- und fettreiche Dickmacher sind oder zu viel Salz enthalten", sagte Höhn.

Goldmann sagte, er halte die Nennung von Produkten für höchst riskant. Zwar seien bei manchen Kennzeichnungen von Lebensmitteln Verwirrungen zu korrigieren. "Aber das ist ein gesetzgeberischer Auftrag und gehört nicht in die Hand von Verbraucherzentralen", sagte er.

Horst sagte, produktbezogene Angaben, bei denen Marke sowie Hersteller- und Händlernamen genannt werden seien nicht tragbar. "Das ist ein Pranger, um Ware zur Schau zu stellen, die rechtlich in Ordnung ist", sagte er dem Blatt. Horst schloss gerichtliche Klagen von Unternehmen nicht aus.

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(apd/ila)