Itzehoe/Düsseldorf: Anleger stellen Strafanzeige gegen Prokon

Itzehoe/Düsseldorf : Anleger stellen Strafanzeige gegen Prokon

Ein Anwalt rät Anlegern, sich gegen den von Pleite bedrohten Windenergie-Konzern zu verbünden.

Jetzt kümmert sich auch die Justiz um den von Insolvenz bedrohten Windenergiekonzern Prokon. "Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht wegen Betruges und weiterer Wirtschaftsdelikte besteht oder nicht", erklärte die Lübecker Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm am Montag. Hintergrund der Ermittlungen seien mehrere Strafanzeigen von Anlegern in den vergangenen Monaten. Immerhin stecken 1,4 Milliarden Euro von 75.000 Anlegern in dem Konzern.

Obwohl der genaue Inhalt der Strafanzeigen nicht bekannt ist, ahnt der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter, worum es geht: "Noch im Dezember und davor schon lange bewarb Prokon seine Genussrechte als scheinbar sichere Sachwertanlage, ohne dabei auf das hohe Verlust-risiko hinzuweisen. Jetzt warnt das Unternehmen selbst vor einer Insolvenz, sofern nicht 95 Prozent der Anleger erst einmal auf ihre Zinsen und bis Oktober auf mögliche Kündigungen von Genussrechten verzichten. Viele Anleger fühlen sich getäuscht und nun erpresst".

Tatsächlich stecken die Inhaber der Genussscheine von Prokon in der Falle. Bestehen sie auf Zinszahlungen oder auf einer Rückzahlung von Guthaben, droht die Insolvenz — doch bei der dann drohenden Zerschlagung des Unternehmens werden die Genussscheine als letzte bedient. Verzichten sie dagegen auf Zinsen oder Auszahlungen, ist trotzdem völlig unklar, ob und wann sie später Geld sehen — immerhin schreibt Prokon seit Jahren nur rote Zahlen. "In dieser Situation können wir Anlegern keine generelle Empfehlung geben", sagt Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale NRW, "da Prokon von 95 Prozent der Anleger einen vorläufigen Verzicht auf Kündigungsrechte, eine Stundung der Zinsen sowie die Rückzahlung in Raten erbittet, um weiter machen zu können, scheint die Lage sehr ernst zu sein."

Das sieht auch Anwalt Reiter so. Er rät Anlegern allerdings dazu, sich gegen das Management von Prokon zu verbünden. Sie sollten einer von seiner Kanzlei gegründeten Interessengemeinschaft beitreten, die gemeinschaftlich durchsetze, dass Prokon endlich Klarheit über seine wahre wirtschaftliche Lage herstellt. "Die Anleger sollten sich nicht für dumm verkaufen lassen und vorschnell die geforderte Haltebestätigung der Genussscheine abgeben", erklärt er. Bevor Anleger aber die Haltebestätigung einreichen, müsse "Transparenz hinsichtlich der Unternehmenszahlen und der Tragfähigkeit des Geschäftsmodelles geschaffen werden."

Dass es dabei düster aussieht, zeigen einige bereits vorliegende Zahlen. Der Prokon-Konzern wies zum 31. Oktober 2013 einen Verlust in Höhe von 195 Millionen Euro aus. Das Unternehmen selbst rechnet auf seiner Internetseite vor, dass die hohen Zinszahlungen von im Schnitt acht Prozent an die Anleger einer der Hauptgründe für die Krise seien — das klingt nach künftigen Zinssenkungen.

(RP)
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