Anleger feiern Jobabbau bei Ceconomy

Handelskonzern in der Krise : Anleger feiern Jobabbau bei Ceconomy

Die Börse honoriert die Sparankündigung des Elektronikhändlers. Bis Ende September des kommenden Jahres soll das Sparziel erreicht sein. Der Konzern streicht auch mehrere Investments aus seinem Programm.

Die Börse lebt von Hoffnungswerten, und deshalb  gibt sie dem Elektronikkonzern Ceconomy bei dessen Sanierung viel Vertrauen mit auf den Weg.  Mehr als elf Prozent hat die Aktie am Dienstag an Wert gewonnen, nachdem das Management der Öffentlichkeit das neue Effizienzprogramm präsentiert hat. Dabei sind der neue Konzernchef Jörn Werner, Finanzvorständin Karin Sonnenmoser und der Chef der Media-Saturn-Holding, Ferran Reverter, nicht einmal übemäßig präzise in ihren Ankündigungen geworden. Aber für das erhoffte Feuerwerk am Aktienmarkt hat es gereicht.

150 Millionen bis 170 Milllionen Euro aufwenden, um ab dem Geschäftsjahr 2020/21 jährlich bis zu 130 Millionen Euro zu sparen – das ist einer der Eckpfeiler des Ceconomy-Gedankengerüsts. Wie viel von den Aufwendungen auf den Stellenabbau, damit verbundene Abfindungszahlungen  und Vorruhestandsregelungen entfällt, will Ceconomy noch nicht verraten. Fest steht: Der Abbau Hunderter Stellen trifft vor allem die Zentrale der Media-Saturn in Ingolstadt. Von einer „mittleren dreistelligen Zahl“ ist offiziell die Rede; Insider sprechen von mindestens 600 Arbeitsplätzen. „In Düsseldorf ist die Anpassung schon vollzogen“, sagt  Konzernchef Werner. Von ehemals 90 Jobs seien noch 60 in der NRW-Landeshauptstadt vorhanden.

Nicht ausgeschlossen ist auch, dass Filialen von Media-Markt und Saturn geschlossen werden, aber auch dazu mag man sich nicht äußern.  Zu den mindestens 150 Millionen Euro Umbaukosten im laufenden Jahr kommen etwa 20 Millionen Euro Abschreibungen auf Beteiligungen dazu – nach 34 Millionen Euro, die infolge der Personalrochaden im vergangenen Jahr schon im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 geflossen sind.

Binnen eineinhalb Jahren will der Konzern die Früchte seines Sparprogramms ernten. Trotz der kalkuliierten Aufwendungen in diesem Jahr sieht Ceconomy keine Veranlassung, seine Prognose für 2018/19 (das Geschäftsjahr endet im September) zu korrigieren. Das ist freilich auch schon dreimal binnen eines Jahres passiert. Und die letzte beinhaltete  auch noch mal ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr, in dem der Vorsteuergewinn bereits um fast zwölf (Ebitda) respektive 19 Prozent (Ebit) zurückgegangen war.

Jetzt wird gespart. Das Ziel: Ceconomy soll schlanker und effizienter werden, näher als bisher am Kunden sein, sein Angebot mehr denn je auch auf Dienstleistung trimmen; Strategien schneller und entschlossener umsetzen, weniger komplex und bürokratisch sein. Allein in Deutschland betragen die Verwaltungskosten nach Angaben von Werner derzeit etwa 500 Millionen Euro. Das ist ein Unding in Zeiten, in denen man sich im Kampf vor allem gegen die Online-Konkurrenz immense Personalkosten nicht leisten kann und will. Auch deshalb trennt sich das Unternehmen von mehreren Aktivitäten:  Die Streaming-Plattform Juke wird eingestellt, zudem steigt Ceconomy aus der Retail Media Group aus, die vor zwei Jahren gegründet wurde, um die konzerneigenen E-Commerce-Plattformen besser zu vermarkten. Die Liveshopping-Plattform iBood und die Beteiligung  an der Re-Commerce Plattform Flip4New stehen auf dem Prüfstand.  Andererseits will Ceconomy das Geschäft mit digitaler Unterhaltung nicht komplett aus den Augen verlieren. Aber die Zukunft in diesem Bereich liegt offensichtlich in neuen Bündnissen, in denen sich die Partner das Risiko teilen.

Die Verkleinerung des Vorstands führt dazu, dass die Mission von Dieter Haag Molkenteller Ende Mai erfüllt ist. Der war kurzfristig mal Chef von Ceconomy, als der Niederländer Pieter Haas das Unternehmen verlassen hatte. Aber in einem verschlankten Unternehmen  soll eben nur noch Platz für zwei Vorstandsmitglieder sein.

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