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Gewerkschaften entdecken Lust am Kampf: Angst vor Dauerstreiks in Deutschland

Gewerkschaften entdecken Lust am Kampf : Angst vor Dauerstreiks in Deutschland

Streiks im Nah- und Fernverkehr, an den NRW-Flughäfen, in der Stahlbranche, in Schulen und Behörden, beim Getränkehersteller Coca Cola, zahlreichen Objektschützern, an den Schleusen sowie den kommunalen Kliniken, dazu angedrohte Warnstreiks bei RWE, Eon und Vattenfall – das Jahr ist zwar erst drei Monate alt, doch schon reich an mehreren Arbeitskampf-Episoden.

Streiks im Nah- und Fernverkehr, an den NRW-Flughäfen, in der Stahlbranche, in Schulen und Behörden, beim Getränkehersteller Coca Cola, zahlreichen Objektschützern, an den Schleusen sowie den kommunalen Kliniken, dazu angedrohte Warnstreiks bei RWE, Eon und Vattenfall — das Jahr ist zwar erst drei Monate alt, doch schon reich an mehreren Arbeitskampf-Episoden.

Zwischen fünf und 6,5 Prozent mehr Lohn lauten im Schnitt die Gehaltsforderungen. Es wirkt beinahe, als entdeckten die deutschen Gewerkschaften nach Jahren der Zurückhaltung ihre Lust am Kampf wieder.

Und damit wächst die Sorge in den Konzernetagen und bei der Bevölkerung, dass es auch hierzulande zu sogenannten "britischen Verhältnissen" kommen könnte — die Arbeitskämpfe der Inselbewohner in den 70er und 80er Jahren gelten als Sinnbild der schädlichen Blockade mit fatalen Folgen für die Wirtschaft.

Dass es einen Trend zu mehr Streiks auch in Deutschland gibt zeichnete sich schon im vergangenen Jahr ab. So hatte sich die Zahl der Streikenden 2012 gegenüber dem vorangegangenen Jahr auf etwa 1,2 Millionen Teilnehmer versechsfacht, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung mitteilte. Mit mehr als 630.000 Ausfalltagen wurde an doppelt so vielen Tagen gestreikt wie im Vorjahr.

Schwierige Verhandlungen

Dieser neue Wille zum Streik traf am Montag Zehntausende Zugreisende: In der Tarifauseinandersetzung um die 130.000 Beschäftigten der Deutschen Bahn rief die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder zu einem mehrstündigen Arbeitskampf auf.

Rund 1000 Mitarbeiter legten im Nah- und Fernverkehr die Arbeit nieder und sorgten nach Angaben des Staatskonzerns dafür, dass mehr als 150 Zugverbindungen gestrichen wurden und Hunderte Züge teils erhebliche Verspätungen hatten. Ein Streikschwerpunkt lag dabei auf NRW.

Die Verhandlungen wurden zwar fortgeführt und Streiks zumindest für Dienstag ausgeschlossen. Doch wie es weitergeht ist offen. Die EVG hatte eine Lohnerhöhung um 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr verlangt, die Bahn bot zuletzt eine zweistufige Erhöhung um 2,4 Prozent im ersten Jahr, zwei Prozent im kommenden Jahr sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro.

Die Verhandlungen dürften zusätzlich schwierig ausfallen, denn sie betreffen nicht nur die Bahn, sondern auch sechs Konkurrenzunternehmen — geht es doch um eine Neuauflage eines Branchentarifvertrags.

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Für ein Aufatmen noch zu früh

Zeichen der Entspannung gab es dagegen vonseiten der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Tarifkonflikt um das private Sicherheitsgewerbe in NRW. Nach allein acht Streiktagen in diesem Jahr an den NRW-Flughäfen Köln und Düsseldorf stimmte Verdi erstmals dem seit Langem von den Arbeitgebern geforderten Schlichtungsverfahren zu.

Unter Vermittlung des Landesschlichters Bernhard Pollmeyer wollen beide Parteien nun nach einer Lösung suchen. Bis ein Schlichterspruch vorliegt, gilt die Friedenspflicht. Laut Tarifexperten dürfte ein Ergebnis frühestens nach Ostern präsentiert werden.

Doch für ein Aufatmen im laufenden Jahr ist es noch zu früh: Nach den Osterferien könnte es bundesweit wieder zu mehreren Arbeitsniederlegungen kommen — etwa an den Schulen. In der gerade erst beendeten Tarifrunde im öffentlichen Dienst konnten sich die Parteien nicht auf eine bundesweit einheitliche Eingruppierung der angestellten Lehrer einigen.

Das Ringen geht also weiter. Zudem laufen schwierige Tarifgespräche bei der Lufthansa, die aufgrund des harten Sparkurses viel Konfliktpotenzial bieten. Und auch im Handel könnte gestreikt werden: Dort haben die Arbeitgeber die Gewerkschaften erzürnt, indem sie den Manteltarifvertrag gekündigt haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: März 2013 - Bundesweiter Warnstreik bei der Bahn

(RP/csr)