Amazon, Zalando und Co.: So kämpfen die Online-Riesen gegen Paketmüll

Amazon, Zalando und Co. : So kämpfen die Online-Riesen gegen den Paketmüll

Je stärker der Online-Handel wächst, desto mehr Müll produziert er auch. Amazon und Co. wissen um die Problematik und arbeiten intensiv an Lösungen. Der Online-Händler Zalando wagt nun sogar ein spannendes Experiment.

Wenn man jedes Produkt der Welt verkaufen will, muss man theoretisch auch jedes Produkt der Welt versenden. Insofern stellten Wäschespinnen für die Logistikmitarbeiter bei Amazon lange Zeit eine besondere Herausforderung dar. Wie soll man die verpacken?

Inzwischen hat der Online-Händler eine Lösung gefunden. Bei großen Artikeln können Verpackungen in einigen Logistikzentren zugeschnitten werden. Problem gelöst.

Doch die großen Herausforderungen bleiben. Denn der Online-Handel wächst seit Jahren – entsprechend stark nimmt die Zahl der Pakete zu. Amazon hat daran den größten Anteil, laut Handelsverband Deutschland entfallen 46 Prozent aller Online-Umsätze auf den US-Händler. Aber auch Zalando, Otto und Co. schicken Millionen Pakete an ihre Kunden. Und die schicken sie zurück, wenn die Ware nicht gefällt.

Das ist eine der Schattenseiten des bequemen Einkaufs vom Sofa aus. Denn die vielen Lieferungen sorgen nicht nur logistisch für Probleme. Auch für die Umwelt ist der Online-Handel eine zunehmende Belastung. Eine Studie im Auftrag der Otto Group und seiner Logistiktochter Hermes sollte zuletzt zwar belegen, dass er das Klima weniger belastet als der stationäre Handel. Dennoch identifiziert auch die Studie die Retourenquote und die Vermeidung mehrerer Zustellversuche als wichtigste Hebel, um eine bessere Öko-Bilanz zu erreichen.

Die Online-Händler sind sich der Probleme durchaus bewusst – und arbeiten an einer ganzen Reihe von Maßnahmen, um das Klima zu schonen. „Es passiert oft, dass Kunden etwas bestellen und dabei etwas vergessen. Dann bestellen sie wenig später erneut“, sagt Melanie Hultsch, die sich bei Zalando um das Thema Nachhaltigkeit kümmert: „Früher haben wir die zwei Bestellungen separat verschickt, jetzt sind wir technisch in der Lage, solche Bestellungen zu bündeln.“ Kunden könnten inzwischen in Deutschland auch mehrere Retouren in einem Paket zurückschicken.

Aber auch bei der Verpackung sieht die Branche Verbesserungsmöglichkeiten. „Von der Wahl der richtigen Verpackungsgrößen hängt ab, wie viele Fahrzeuge wir am Ende auf die Straße schicken müssen“, sagte unlängst der Deutschland-Chef von Amazon, Ralf Kleber. Software berechnet in den Logistikzentren die richtige Verpackungsgröße für jedes Produkt, anschließend wird sogar das Klebeband von einer Maschine passend zugeschnitten, damit die Mitarbeiter Pakete nicht komplett umwickeln, sondern nur oben und unten einen Streifen kleben. Das schon die Umwelt – und den Geldbeutel von Amazon.

„Verpackungen sind eine große Herausforderung für die Branche, weil es natürlich oberste Priorität hat, dass die Produkte unversehrt zum Kunden kommen“, sagt Melanie Hultsch. Allein der Online-Händler hat im vergangenen Jahr rund 116 Millionen Bestellungen abgewickelt.

Der Wechsel auf ökologisch sinnvollere Alternativen ist dabei offenbar gar nicht so leicht. Ein Versuch, Plastik-Versandtaschen durch eine Alternative aus Papier zu ersetzen, scheiterte erst kürzlich, weil sie zu schnell gerissen sind. Dafür sollen ab Juni Beauty-Produkte in Papier-Verpackungen versandt werden. Statt Luftpolsterfolie werden als Schutz vor Stößen Papierschnipsel eingesetzt. Die neuartige Verpackung wurde vom Verpackungshersteller Papier Mettler für Zalando entwickelt. Die eigene Größe hilft dem Händler, solche Entwicklungen anzustoßen.

Deswegen wagt das Unternehmen nun ein Experiment. „Wir planen einen Piloten für eine wiederverwertbaren Verpackung“, sagt Uwe Streiber, Teamleiter Verpackungsmanagement. Ob es sich dabei um einen Karton oder eine Versandtasche handelt, will er noch nicht verraten, nur so viel: „Der Kunde kann den Transportträger an uns zurücksenden und wir können ihn dann erneut nutzen – je häufiger, desto besser für die Umwelt.“ In der zweiten Jahreshälfte wolle man dies testen.

Gleichzeitig arbeitet man daran, Plastik bei Retouren zu vermeiden. Denn viele Kleidungsstücke, die von Zalando versendet werden, sind noch einmal separat in sogenannte Polybeutel eingeschweißt. Melanie Hultsch sagt: „Wir wollen eine bessere Lösung finden.“ Bislang ist es so, dass Zalando zurückgeschickte Ware prüft und erneut in Polybeutel einschweißt. „Das ist der Hebel, an dem wir ansetzen können“, sagt Hultsch. So könne man Papieralternativen ausprobieren oder wie schon jetzt recycelte Kunststoffe verwenden.

Wiederverwendbare Verpackungen gibt es Amazon nicht. Dafür setzt man auf eine andere Strategie: Immer mehr Produkte werden einfach ohne Extra-Verpackung verschickt.

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