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Alkoholfreies Bier im Test: In vielen findet sich Glyphosat

Stiftung Warentest untersucht Inhaltsstoffe : Alkoholfreies Bier holt rasant auf

Während sich normales Bier immer weniger verkauft, steigt der Absatz der alkoholfreien Varianten. Die Stiftung Warentest hat nun alkoholfreies Bier getestet – auf Geschmack und Inhaltsstoffe.

Grillen ohne Bier ist für manch einen wohl wie WM ohne Deutschland. Wer aber noch Autofahren muss oder auf die Gesundheit achtet, hat meist die Wahl zwischen Wasser, Cola, Saft – oder alkoholfreiem Bier. Was noch vor einigen Jahren wenig beliebt war, entwickelt sich derzeit zum In-Getränk. Denn während der Absatz von alkoholhaltigem Bier in Deutschland weiter sinkt, kaufen die Deutschen immer mehr von der alkoholfreien Variante. Fast sieben Liter alkoholfreies Bier hat jeder Deutsche ab 15 Jahren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2016 getrunken. Kein Vergleich zu den fast 100 Litern des alkoholhaltigen Biers, doch die Tendenz steigt.

Die Stiftung Warentest hat nun 20 viel verkaufte alkoholfreie Biere getestet. Zwei von ihnen waren sogenannte Craft-Biere, also handwerklich gebraute Sorten von meist kleineren Brauereien. Unter den getesteten Bieren waren auch drei in Bio-Qualität. Bewertet wurde vor allem der Geschmack (zu 40 Prozent), die Eignung als Durstlöscher (15 Prozent) und die Haltbarkeit des Schaums (10 Prozent). Ebenfalls mit 10 Prozent flossen Laborergebnisse ein, in denen die Getränke auf kritische Stoffe wie Nitrat oder Glyphosat untersucht wurden.

Testsieger mit einer Note von 2,1 wurde das alkoholfreie Bier von Warsteiner. Es überzeugte die Tester vor allem im Geschmack und als Durstlöscher. Es schmecke vollmundig und leicht süß, befanden die geschulten Tester. Gleich zwei Produkte von Clausthaler (Extra Herb, Original) sowie das Krombacher alkoholfreie Pilsener folgten mit der Note 2,2. Sie schmecken deutlich hopfiger als der Testsieger. Wer Wert auf eine lang haltende Schaumkrone legt, sollte das Bier von Krombacher probieren. Discounterbiere etwa von Lidl und Penny landeten bei dem Test im Mittelfeld. Sie konnten vor allem im Geschmackstest kaum überzeugen.

Geschmacklich am stärksten schnitt eines der Craft-Biere ab: Das Indian Pale Ale (IPA) der Kehrwieder Kreativbrauerei erhielt als einziges der getesteten Biere die Geschmacksnote 1,5 (sehr gut). Laut Testern schmeckt es fruchtig und stark nach Hopfen, was am Herstellungsprozess liegt: Nach der Gärung geben die Brauer ein zweites Mal Aromahopfen ins Bier.

In 18 von 20 Bieren fand die Stiftung Warentest Spuren oder geringe Mengen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Vor allem im alkoholfreien Bier von Flensburger und Holsten wurden größere Mengen gefunden. Nur in den Biobieren von Lammsbräu und Riedenburger fanden die Tester keine Rückstände des umstrittenen Pflanzenschutzmittels – einige Institutionen bewerten es als krebserregend.

Auch Nitrat fanden die Tester im Bier. Vor allem im Hopfen setzt sich Nitrat fest, wenn er mit Stickstoffdünger behandelt wurde. Im menschlichen Körper können aus Nitrat Nitrosamine werden, die in Tierversuchen als krebserregend galten. Allerdings: Selbst bei Bieren mit hohem Nitratgehalt wie den Craft-Bieren bestehe keine Gesundheitsgefahr. Zwei bis drei kleine Flaschen pro Tag könnten Craft-Bier-Fans laut Stiftung Warentest ohne Bedenken trinken – bis ans Lebensende.