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Air Berlin: Was jetzt aus der Flotte wird

Insolvente Fluggesellschaft : Was aus den Air-Berlin-Verbindungen ab Düsseldorf wird

Kommende Woche entscheidet sich, wie viele Jets Lufthansa von der insolventen Fluggesellschaft übernimmt. Bei der beliebten Gutverdiener-Route von Düsseldorf nach Sylt gilt ein Zuschlag als fast sicher.

Für welche Strecken ist Air Berlin in NRW bekanntgeworden - und wo werden sie landen, wenn das insolvente Unternehmen am 12. Oktober bekanntgeben will, welche Betriebsteile bei welchen Interessenten landen?

Fast schon legendär war der mehrmals tägliche Shuttle von Düsseldorf nach Palma de Mallorca - er wird als Teil des Ferienflug-Ablegers Niki verkauft. Lufthansa und ihr Ableger Eurowings gelten als größte Interessenten.

Nach Havanna, Miami und New York ging es mit großen Airbus-330-Jets mit fast 300 Sitzen. Jetzt ärgern sich Zehntausende Urlauber über stornierte Tickets, weil Air Berlin die Interkontinentalflüge zum 15. Oktober ganz aufgibt. So schnell wie möglich bauen Lufthansa und Eurowings neue Langstreckenrouten vom Rhein über den Atlantik auf - Wettbewerber wie Condor sollen so abgeschreckt werden.

Beliebte Gutverdiener-Route

Auch bei Flügen von Düsseldorf nach Sylt als weiterem Sahnestück des Air-Berlin-Imperiums ist klar, wo es hingeht: Branchenkenner rechnen damit, dass Eurowings die gerade bei Gutverdienern in NRW beliebte Route nach Westerland übernimmt - Lufthansa-Insider bestätigen ein Interesse. Der Konzern hat bereits offiziell erklärt, den Dortmunder Air-Berlin-Ableger Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) kaufen zu wollen - und das Unternehmen wickelt mit seinen nur knapp 90 Sitze bietenden Bombardier Turboprop-Maschinen viele der Flüge nach Sylt ab. Hinzu kommt: Eurowings fliegt Sylt auch schon ab Berlin, Frankfurt, Köln und München an - da bietet sich der größte NRW-Flughafen als weiterer Startpunkt gut an.

Als eher unwahrscheinlich gilt dagegen, dass Easyjet als zweiter wichtiger Interessent für Air-Berlin-Strecken ab Düsseldorf auch Westerland anfliegen will. "Easyjet ist auf Verkehrsströme zwischen Städten konzentriert", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, "also wäre das der ideale Wettbewerber gegen Eurowings nach München, Berlin oder Zürich, aber nicht nach Sylt." Er warnt aber auch: "Die Westerland-Strecke war ein Steckenpferd von Air-Berlin-Gründer Achim Hunold, der in Düsseldorf und in Sylt lebt. Die Eurowings-Leute werden sich sicher anschauen, wie rentabel die Flüge wirklich sind." Eine Einstellung der Strecke ist aber ausgeschlossen - morgen starten allein drei Jets vom Rhein an die Nordsee.

Derweil geht das Tauziehen um die Techniksparte von Air Berlin weiter. Weil nicht ganz sicher ist, welche Strecken Eurowings übernimmt, welche bei Easyjet landen und ob auch Condor Routen erhält, ist unsicher, wie viele Wartungsaufträge in Düsseldorf mit den 450 Beschäftigten erledigt werden müssen. "Lufthansa hat ja eine eigene Wartung", sagt ein Insider, "aber alle anderen Firmen könnten unsere Leute möglicherweise gut brauchen." Als Ergebnis verlängerte Air Berlin gestern die Bieterfrist für die Technik erneut bis jetzt übernächste Woche "Die längere Frist ist sinnvoll", sagt Jörg Herling, Betriebsratschef der Düsseldorfer Technik, "sie zeigt die ernsthafte Suche nach einem Käufer."

Viele der rund 8000 Mitarbeiter müssen für Ende Oktober/Anfang November mit Kündigungen rechnen, wie Insider vermuten; zum Beispiel droht das gesamte Bodenpersonal entlassen zu werden. So will der für die Insolvenz zuständige Generalbevollmächtigte Frank Kebekus die Kosten niedrig halten.

Parallel würden Einzelteile wie Niki oder die Luftfahrtgesellschaft Walter inklusive vieler Jets und der so wichtigen Start- und Landerechte verkauft - doch die meisten Mitarbeiter sollen sich dann bei Eurowings oder Easyjet neu bewerben.

Eurowings versucht, die Air-Berlin-Mitarbeiter zum Wechsel zu drängen. Es lägen 2500 Bewerbungen für 1000 offene Stellen für Piloten und Stewards vor, erklärte Eurowings gestern. Leute von Air Berlin würden sehr gerne genommen, doch die Konkurrenz auch durch andere Piloten sei groß. Ein Pilot meint jedoch:"Solange es kein Angebot für einen gemeinsamen Übergang gibt, sind wir skeptisch und bewerben uns gezielt nicht."

Eine Stewardess denkt anders: "Sicherheitshalber reiche ich meine Unterlagen schon einmal ein."

(RP)