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Billigfliegerfusion: Air Berlin schluckt Konkurrenten

Billigfliegerfusion : Air Berlin schluckt Konkurrenten

München (rpo). Air Berlin übernimmt den Konkurrenten dba. Der Kaufpreis liege laut einem Medienbericht bei rund 120 Millionen Euro. Mit diesem Zukauf plane Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft einen "Großangriff" auf Lufthansa. LTU kündigte an, mit Air Berlin/dba weiter zusammen zu arbeiten.

Der Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold und sein dba-Kollege Hans-Rudolf Wöhrl unterzeichneten am späten Mittwochabend nach wochenlangen "Geheimverhandlungen" den Kaufvertrag in München. teilte Air Berlin am Donnerstag mit. Das Kartellamt muss dem Vertrag noch zustimmen. Als Netto-Kaufpreis nannte Hunold "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag". Der werde aus den Barmitteln der Air Berlin PLC gezahlt; eine Kapitalerhöhung sei daher nicht erforderlich. Einem Medienbericht zufolge soll der Kaufpreis bei rund 120 Millionen Euro liegen.

Hunold plane nun einen "Großangriff" auf die Lufthansa, heißt es angeblich aus Verhandlungskreisen. Mit der Übernahme erhalte er Zugriff auf weitere Slots auf den Wachstumsflughäfen München und Düsseldorf. Außerdem könne er auch mit aggressiven Preisen dem Marktführer zu schaffen machen.

Die dba soll als eigenständige Gesellschaft unter dem Konzerndach der Air Berlin PLC weitergeführt werden. Martin Gauss und Peter Wojahn bleiben Geschäftsführer. Der Marktauftritt wird künftig jedoch unter dem Namen Air Berlin stattfinden ("powered by dba"). Soweit möglich, werden die Flugpläne für den kommenden Winter noch aufeinander abgestimmt. Ab 1. April 2007 wird es einen gemeinsamen Sommerflugplan geben.

Die Streckennetze passten gut zusammen, erklärte Hunold. So transportiere die dba zu 70 Prozent Geschäftsreisende innerhalb Deutschlands, während 80 Prozent der Air-Berlin-Passagiere Touristen im Europaverkehr seien.

Die Flotte unter dem Dach der Air-Berlin-Holding erhöht sich durch den Kauf der dba um 29 auf 100 Flugzeuge. Zusammen rechnen Air Berlin und dba in diesem Jahr mit rund 20 Millionen Passagieren. Im ersten Halbjahr sei das Passagieraufkommen bei Air Berlin um 12,5 Prozent auf knapp sieben Millionen Gäste gewachsen. Im zweiten Quartal habe die Airline einen Umsatz von 400 Millionen Euro und einen Gewinn von 30 Millionen Euro (vor Steuern und Zinsen) erwirtschaftet.

LTU will weiter mit Air Berlin zusammenarbeiten

Die Fluggesellschaft LTU will mit der künftigen Air Berlin/dba zusammen arbeiten. LTU, erst im Februar vom bisherigen dba-Eigner Hans Rudolf Wöhrl übernommen, erklärte am Donnerstag in Düsseldorf, nach der dba-Übernahme durch Air Berlin werde "die enge Zusammenarbeit" aufrechterhalten.

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So sollen der Düsseldorfer Fluggesellschaft zufolge die europäischen Flüge der Air Berlin und die innerdeutschen Flüge der dba als "Zubringerdienste für das LTU Langstreckennetz mit den Drehkreuzen Düsseldorf und München" fungieren, hieß es in einer LTU-Presseerklärung. LTU werde die bisherige Strategie weiter verfolgen, und einen "deutlichen Fokus auf die Langstrecke" legen.

Der Luftfahrtunternehmer Wöhrl hatte sich Mitte Februar 2006 eine 60-prozentige Mehrheit an der angeschlagenen LTU gesichert. Damals hatte er als Ziel ausgegeben, durch die Allianz von dba und LTU den ersten Billigflieger mit weltweitem Netz zu schaffen. Die beiden Gesellschaften seien eine ideale Ergänzung und zusammen der zweitgrößte Anbieter auf dem deutschen Markt. Die dba sei im innerdeutschen Luftverkehr stark, LTU verfüge über ein attraktives internationales Streckennetz.

An der LTU-Muttergesellschaft LoMa ist heute die Intro Verwaltungs GmbH (Wöhrl) zu 55 Prozent und die Marbach Beteiligung und Consulting GmbH (LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach) zu 45 Prozent beteiligt. Marbach betonte am Donnerstag, in den vergangenen sechs Monaten der Partnerschaft mit dba seien "alle identifizierbaren Synergien realisiert" worden. "Dies führt in diesem Jahr zu Kosteneinsparungen in zweistelliger Millionenhöhe, die das LTU Ergebnis für das Jahr 2006 entsprechend entlasten."

Hier geht es zur Infostrecke: Was ändert sich bei Air Berlin?

(afp)