Deutsche Bank legt Bilanz vor: Ackermann enttäuscht beim Abschied

Deutsche Bank legt Bilanz vor : Ackermann enttäuscht beim Abschied

Bei seiner letzten Bilanzvorlage muss sich der scheidende Deutsche-Bank-Chef mit einem Vorsteuergewinn von 5,4 Milliarden Euro begnügen. Die Träume von doppelt so hohen Gewinnen und 25-Prozent-Renditen scheinen vorbei. Und Ackermanns Nachfolger Anshu Jain fährt Verluste ein.

Die große Show war schon vorher sozusagen abgesagt worden. Sie hätte auch nur stattfinden können, hätte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr tatsächlich einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro eingefahren — oder noch mehr. Wäre das gelungen, was Vorstandschef Josef Ackermann einst proklamiert hatte, dann wäre der Schweizer als Held verabschiedet worden.

Doch die Abschieds-Bilanz fällt enttäuschend aus: "nur" rund 5,4 Milliarden Gewinn vor Steuern, im letzten Quartal 2011 statt Milliardenüberschuss sogar ein dreistelliger Millionenverlust. Alles zwar noch vorläufige Zahlen, aber die sind immerhin so signifikant, dass man sie der Öffentlichkeit präsentieren kann. Ein grandioser Abschied sieht anders aus.

Ein Jahrzehnt lang hat der Arztsohn aus dem Kanton St. Gallen die Geschicke des deutschen Branchenführers bestimmt. Er hat Hochs und Tiefs erlebt. In den ersten fünf Jahren seiner Amtszeit hat sich der Gewinn der Bank mehr als verdoppelt, der Aktienkurs ist zwischenzeitlich auf fast 120 Euro gestiegen. Und manche feiern Ackermann als den fähigsten Bank-Manager seiner Generation. Die Deutsche Bank ist heute das einzige Geldhaus in Deutschland, das wirklich den Anspruch eines Global Player erheben darf.

Ackermann rückt von eigenen Vorgaben ab

Aber Ackermann muss sich eben auch an dem messen lassen, was er selbst als unternehmerisches Ziel ausgerufen hat. Das manifestiert sich in dem Streben nach Zehn-Milliarden-Gewinnen und 25-Prozent-Renditen, die indes zuletzt unerreichbar waren. Die globale Schuldenkrise hat Ackermanns Traum zerstört, weil sie die Investoren so verunsichert hat, dass das Kapitalmarktgeschäft als Ertragsquelle geradezu versiegt ist. Dass das in diesem Ausmaß würde passieren können, hat sich vor zwei Jahren kaum einer vorstellen können. Auch Ackermann nicht. Er selbst ist mittlerweile von seinen Vorgaben deutlich abgerückt.

Also geht der Vordenker der Deutschen Bank mit zwiespältigen Gefühlen. Seine Kritiker bemängeln auch, er habe seine eigenen Erfolgsziele nur auf dem Höhepunkt der amerikanischen Immobilienblase erreicht. Das schien längst vergessen. Aber die letzten Monate waren noch einmal schwierig. Sie zeichneten sich nicht nur durch Diskussionen über Milliardenabschreibungen auf Staatsanleihen und Kapital-Anforderungen an die Bank aus.

Debatte um Nachfolger schadet dem Image

Zusätzlich haben die Querelen bei der Debatte über den geeigneten Nachfolger das Image der Deutschen Bank zwischenzeitlich beschädigt, und daran hatte alle ihren Anteil — auch Ackermann. Jetzt folgt ihm in Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein Duo, das Ackermann in dieser Konstellation nicht gewollt haben dürfte. Auf einige Beobachter wirkte die Szenerie am Donnerstag in Frankfurt so, als wolle der Chef seinen Nachfolgern noch einmal klarmachen, dass sie erst dann das Licht der Öffentlichkeit in Anspruch nehmen dürfen, wenn er nicht mehr da ist.

Obwohl das eigentlich gar nicht zu Ackermann passt, weil er nie als Lautsprecher auftrat. Eine "Abschieds-Show" will er auch nicht haben. Eigentlich wäre der Schweizer gern im Mai in den Aufsichtsrat der Bank eingezogen und hätte das Kontrollgremium der Bank geführt. Doch der Corporate-Governance-Kodex hat dem Schweizer diesen Schritt unmöglich gemacht, weil er den sofortigen Wechsel von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze missbilligt.

Was kommt, bleibt offen. "Es wird auch eine Last wegfallen, das ist klar. Was mir aber fehlen wird, sind die Gespräche mit hochinteressanten Menschen in aller Welt", sagte der Manager. Daran mag man kaum glauben. In irgendeiner Funktion wird Josef Ackermann der Bankenwelt erhalten bleiben.

(RP/felt/csi/top)
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