Kommentar zur Deutschen Bank : Achleitner muss gehen

Die Aktionäre der Deutschen Bank entlasteten den Chefaufseher, obwohl seine Bilanz miserabel ausfällt. Vom „Horrorfilm mit Überlänge“ sprach ein Fondsmanger. Umso erstaunlicher, dass der Regisseur des Streifens bleiben darf.

Die Bilder, zu denen die Aktionäre griffen, um die Lage der Deutschen Bank zu beschreiben, waren drastisch: Vom „Horrorfilm mit Überlänge“ sprach ein Fondsmanager. Kein Wunder: Die Aktie hat seit 2012 mehr als die Hälfte verloren, der Gewinn ist mager, das Ansehen ruiniert. Der Digitalisierung läuft die Bank hinterher, sie nutzt noch immer 26 IT-Systeme parallel. Doch der Regisseur des Ganzen klebt an seinem Stuhl: Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat zwar vier Vorstandschefs verschlissen, selbst übernimmt er keine Verantwortung – er wolle Investoren nicht im Stich lassen. Dabei würde es denen vermutlich besser gehen, wenn der wendige Multiaufseher das Drehbuch aus der Hand gibt. Zuletzt wäre der Bank der Zeit fressende, aber ökonomisch sinnlose Flirt erspart geblieben, den Achleitner mit der Commerzbank vorantrieb.

Den Mut, ihm das Misstrauen auszusprechen, hatte die Mehrheit der Aktionäre dennoch nicht. Erstaunlich. Da waren die Bayer-Aktionäre mutiger. Die Deutsche-Bank-Eigner dagegen entlasteten Achleitner, wenn auch mit knapper Mehrheit. Womöglich spielt eine Rolle, dass er viele der Großaktionäre selbst geholt und umworben hat. Doch was muss eigentlich noch geschehen, damit sie dem Regisseur des Dauerkrise die Tür weisen?

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