Deutsche Bank senkt Gewinnerwartungen: Abbau von 500 Stellen geplant

Deutsche Bank senkt Gewinnerwartungen : Abbau von 500 Stellen geplant

Frankfurt/Main (RPO). Die Deutsche Bank hat ihre Gewinnerwartungen für dieses Jahr gesenkt. Das ursprünglich angestrebte Rekordergebnis von zehn Milliarden Euro vor Steuern sei "nicht mehr in Reichweite". Für 2012 sei außerdem der Abbau von 500 Stellen geplant.

Vor allem das Investmentbanking hat in den vergangenen Monaten nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann sprach am Dienstag von einer "enttäuschenden" Leistung dieses traditionellen Gewinnbringers Nummer eins. Das von seinem designierten Nachfolger Anshu Jain geleitete Kapitalmarktgeschäft liege deutlich hinter den Erwartungen zurück. "Daher ist der geplante Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro in den Kerngeschäftsfeldern nicht mehr in Reichweite", räumte der Schweizer auf einer Investorenkonferenz ein.

Eigentlich wollte Ackermann sich mit dieser Rekordmarke verabschieden und das Ruder im kommenden Mai an Jain und den Deutschland-Chef Jürgen Fitschen übergeben. Nun spricht der Bankchef nicht mehr von einem Rekordgewinn, sondern nur noch von einem "robusten" Ergebnis.

Die Aktien des größten deutschen Geldhauses sackten um mehr als sechs Prozent ab, während der europäische Bankenindex nur 4,6 Prozent verlor. Experten hatten von Anfang an Zweifel an Ackermanns Ziel. Die Krise an den Märkten wegen der Angst vor der Pleite eines Euro-Landes bestärkte die Skeptiker noch. Analysten hatten nach Daten von Thomson Reuters zuletzt im Schnitt nur noch mit 7,7 Milliarden Euro Gewinn gerechnet - inklusive aller Sonderfaktoren. Andere Banken wie JP Morgan kündigten ebenfalls an, dass ihre Erträge im Kapitalmarktgeschäft deutlich zurückgegangen seien. Auch für Investmentbanken wie Goldman Sachs haben Experten den Daumen gesenkt.

Anfang 2012 sollen 500 Stellen abgebaut werden

Bei der Deutschen Bank sollte das Investmentbanking ursprünglich rund zwei Drittel zu den zehn Milliarden Euro beitragen. Doch daraus wurde nichts. Die lähmende Angst der Investoren und Unternehmen vor einer Staatspleite im Euro-Raum bremste die Aktivitäten an den Märkten. In vielen Fällen verschwanden zahlreiche Fusions- und Börsenpläne in den Schubladen. Hinzu kommt eine steuerliche Sonderbelastung, wie Ackermann ankündigte. Insider gehen davon aus, dass im Kapitalmarktgeschäft der Bank im dritten Quartal - wenn überhaupt - nur noch ein kleiner Gewinn übrig bleibt.

Die Folge: Im letzten Vierteljahr und Anfang 2012 sollen in dem Bereich 500 Stellen wegfallen, vor allem außerhalb Deutschlands. Zahlreiche andere Geldhäuser haben auf die Flaute an den Märkten ebenfalls mit Entlassungen reagiert, allerdings in größerem Umfang. Weltweit stehen mehr als 50.000 Banker-Jobs auf der Kippe. Die Deutsche Bank hat bereits Sparprogramme über 2,3 Milliarden Euro angekündigt, unter anderem im Zuge der Postbank-Übernahme.

Ackermann legt nun alle Hoffnungen auf die klassischen Bankgeschäftsfelder, die sich in der Krise üblicherweise als stabiler erweisen: Das Privatkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und den Zahlungsverkehr. Sie sollen auf mittlere Sicht die Hälfte des Gewinns erwirtschaften, wie der Vorstandschef ankündigte. In der ersten Jahreshälfte kamen sie bereits auf 40 Prozent.

Das Privatkundengeschäft liege in diesem Jahr über Plan, die Vermögensverwaltung mit dem Fondsdienstleister DWS leicht darunter. Mit dem Kauf der Postbank und der Privatbank Sal. Oppenheim hat Ackermann genau diese Bereich gestärkt, um nicht mehr wie 2008 nach dem Kollaps des US-Geldhauses Lehman Brothers einen Rekordverlust verschmerzen zu müssen. Zudem baute die Bank massiv Risikopositionen ab.

Doch die Euro-Schuldenkrise schlägt auch hier negativ zu Buche. Denn die vor allem bei der Postbank liegenden griechischen Staatsanleihen mussten erneut wertberichtigt werden. Das führte im dritten Quartal zu Belastungen von 250 Millionen Euro. "Wir haben unsere Griechenland-Anleihen jetzt alle auf den Marktwert abgeschrieben", betonte Ackermann.

Die Bank hält noch 900 Millionen Euro an Hellas-Bonds. Im zweiten Quartal hatte das Institut die Papiere noch nicht so aggressiv wertberichtigt. Am zweiten Griechenland-Hilfspaket beteiligen sich erstmals auch private Gläubiger, und zwar über die Verlängerung und den Rückkauf von Staatsanleihen. Das führt zu einer Belastung von 21 Prozent in den Bankbüchern - einige Häuser haben nur soviel abgeschrieben.

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(AFP/jre)
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