Nach Neun-Euro-Ticket Welches Folgeticket sich der VRR jetzt vorstellen kann

Düsseldorf · Für die Variante von 49 Euro wäre mindestens eine Milliarde Euro mehr nötig, sagt der VRR-Vorstandschef. NRW-Ministerpräsident Wüst verlangt eine zeitnahe Bund-Länder-Runde zu dem Neun-Euro-Nachfolgemodell.

 Eine Bahnreisende löst an einem neuen VRR-Fahrscheinautomaten ein Ticket.

Eine Bahnreisende löst an einem neuen VRR-Fahrscheinautomaten ein Ticket.

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Die vom Bund angekündigte Nachfolgeregelung fürs Neun-Euro-Ticket sorgt für Gesprächsbedarf zwischen Bund und Ländern. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich deshalb für ein zügiges Treffen der Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Bund zum Entlastungspaket aus. „Wenn die Länder mit bezahlen sollen, müssen sie auch mit entscheiden können“, sagte Wüst unserer Redaktion. „Denn dieses Paket muss jetzt endlich mal sitzen und Rentnerinnen und Rentner, Studierende und Sozialleistungsempfänger und kleine und mittlere Einkommen sowie energieintensive Wirtschaft effektiv entlasten.“ Wüst zufolge gibt es noch viele offene Fragen. „Darüber sollte sehr zeitnah bei einer Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Bundeskanzler beraten werden“, so der CDU-Politiker.

Der Bund hatte am Sonntag Bereitschaft signalisiert, ein bundesweit gültiges ÖPNV-Ticket mit 1,5 Milliarden Euro zu finanzieren, wenn die Länder ihrerseits den gleichen Betrag aufbringen. Die Preisspanne bezifferte die Ampelkoalition  mit 49 bis 69 Euro im Monat.

Der für Tarife zuständige Vorstand des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), Luis Castrillo, sagte unserer Redaktion: „Mit den drei Milliarden Euro von Bund und Ländern lässt sich nach unserer Auffassung ein 69-Euro-Tticket finanzieren. Für 49 Euro wären vier Milliarden Euro und mehr notwendig.“ Auch er forderte eine zügige Befassung mit dem Thema: „Damit die Entlastung bei den Bürgern ankommt, ist jetzt aber von der Politik Tempo gefordert, da die Umsetzung bundesweit drei bis sechs Monate dauert.“ Er kritisierte, die zeitliche Befristung auf ein Jahr. „Die Mobilitätswende erfordert eine langfristige Finanzierung. So schaffen wir die ambitionierten Klimaziele nicht.“

Kritik kam auch vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Deren Sprecher Lothar Ebbers sagte: „Mit dem vergünstigten ÖPNV-Ticket wurde am Ende der dritte wieder vor dem ersten Schritt gemacht.“ Ebbers erklärte, zunächst hätten die Verantwortlichen sich darum kümmern müssen, die Bestandsverkehre zu sichern. „Insbesondere der SPNV ist schon deutlich am Limit. Da geht es darum, Angebotseinschränkung abzuwenden.“ Im zweiten Schritt hätte man dann das Angebot ausbauen müssen. „Auch das ist nur mit Investitionen möglich – in mehr Fahrzeuge, mehr Werkstattkapazitäten und mehr Strecken.“ Erst dann hätte man in einem dritten Schritt über günstigere Tickets nachdenken dürfen. „Wenn es am Ende heißt, man bekommt zwar ein billiges Ticket, dafür aber ein schlechteres Angebot, wäre niemandem geholfen“, kritisierte der Fahrgastvertreter.

Der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty (SPD), mahnte ebenfalls Tempo vom Land NRW an. Er erwarte von der schwarz-grünen Landesregierung, dass sie den Ball der Bundesregierung aufnehme und deren Unterstützungsleistung nicht liegen lasse. „Die Mittel müssen dafür jetzt so schnell wie möglich im Haushalt veranschlagt werden. Wenn der Bund vorangeht, folgt NRW – das hat Ministerpräsident Wüst versprochen. Er muss jetzt liefern“, sagte Kutschaty.

Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Henning Höne, verlangte sagte, wenn NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland seine finanzielle und organisatorische Beteiligung verspreche, sei man einer dauerhaften deutschlandweiten Einführung des Tickets einen bedeutenden Schritt näher. „Das ist die Stunde der Wahrheit für Verkehrsminister Oliver Krischer, ob die Menschen in NRW von dem einfachen, über die Verbundgrenzen hinweg nutzbaren, digitalen Angebot profitieren können. Die Landesregierung muss jetzt selbst tätig werden und kann nicht weiter nach Berlin zeigen.“ Die FDP-Fraktion fordere daher Schwarz-Grün auf, in den anstehenden Gesprächen mit Bund und Ländern eine aktive Rolle bei der Einführung eines bundesweit nutzbaren, unkomplizierten, digitalen und fairen Tickets einzunehmen.

Bei diesen Gesprächen wird es auch darum gehen, ob NRW unterproportional zu seiner Bevölkerung mit Mitteln bedacht wird – so wie es bislang bei den Regionalisierungsmitteln der Fall ist. Da bekommt NRW historisch gewachsen 18 Prozent der Mittel, obwohl dem bevölkerungsreichsten Bundesland nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel knapp 22 Prozent zustünden.

VRR-Vorstandschef Castrillo sagte entsprechend, wichtig sei, dass die Gesamtfinanzierung für den Nahverkehr jetzt auch schnellstmöglich zwischen Bund und Ländern geklärt würden, „ansonsten besteht immer noch die Gefahr, dass wir im kommenden Jahr eine Angebotsreduktion erleben werden.“

Fahrgastvertreter Ebbers verlangte zudem ein zweistufiges Modell für den VRR. Das Angebot dürfe nicht nur attraktiv für diejenigen sein, die heute für 200 Euro für ein verbundweites Ticket zahlten, sondern müsse auch etwas für diejenigen bereithalten, die jetzt ein räumlich begrenzte Abo abgeschlossen hätten.

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