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Zwischen Wut und Resignation: 7500 Menschen vor dem Scherbenhaufen der Allianz

Zwischen Wut und Resignation : 7500 Menschen vor dem Scherbenhaufen der Allianz

Frankfurt/Main (rpo). Es gab Mitarbeiter, die erst durchs Radio von den Plänen der Allianz erfuhren. 7500 Menschen droht die Arbeitslosigkeit, obwohl ihr Konzern satte Gewinne schreibt. Sie stehen plötzlich vor einem Scherbenhaufen - und sind wütend. Oder resigniert, traurig, hilflos. Eine 42-Jährige erkennt: "Ob man gut oder schlecht arbeitet, ist offenbar vollkommen egal."

"Das ist eine Schweinerei", sagt eine 25-jährige Versicherungstechnikerin der Allianz Lebensversicherung in Frankfurt. Sie fürchtet um ihre Zukunft: "Ich glaube nicht, dass ich bei der Allianz einen anderen Job bekomme, und ich mache mir bei der Lage der Branche im Moment auch keine Hoffnungen, woanders Arbeit zu finden."

Bei der Allianz halten die Menschen im Griff der Angst die Luft an. Deutschlandweit wurden am Donnerstagvormittag die Mitarbeiter der Versicherung über die Stellenabbaupläne informiert.

Die Allianz will die bislang eigenständigen Sparten Sach-, Lebens- und Krankenversicherung zusammenführen und die getrennten Vertriebswege bündeln, um verlorene Kunden und Marktanteile zurückzugewinnen. Statt 21 soll es künftig nur noch zehn Verwaltungsstandorte geben. Geschätztes Einsparpotenzial ab 2009: rund 500 Millionen Euro jährlich.

"Ich bin einfach sehr enttäuscht"

In Frankfurt reichen die Kommentare der Mitarbeiter dazu von "ohne Worte" bis "bodenlose Frechheit". "Das ist doch Kapitalismus in Reinkultur, was die Allianz hier mit uns macht", schimpft ein 37 Jahre alter Mitarbeiter. Eine 42-Jährige, die seit Jahren Versicherungskunden berät und jetzt um ihren Job fürchtet, meint frustriert: "Ob man gut oder schlecht arbeitet, ist offenbar vollkommen egal. Ich bin einfach sehr enttäuscht."

Die Botschaft traf nicht wenige ihrer Kollegen völlig unerwartet. Bei der Frankfurter Niederlassung gab es in der Vergangenheit kaum Stellenabbau. Nun soll der Standort Ende 2008 komplett dicht gemacht werden.

"Eine Schande, bei den Gewinnen"

Bei der Allianz-Tochter Dresdner Bank in Frankfurt wurden dagegen schon in der Vergangenhiet tausende Stellen abgebaut. Dennoch: Viele Mitarbeiter haben die Hiobsbotschaft morgens im Radio gehört und sind empört. "Das ist schon eine Frechheit, dass wir das nicht zuerst von unseren Chefs hören", schimpft ein IT-Spezialist. "Aber seit bei uns die Allianz am Ruder ist, gehört das zur Geschäftspolitik."

"Die Angst ist bei uns eigentlich seit Jahren allgegenwärtig", sagt ein Sachbearbeiter der Dresdner Bank auf dem Weg in die Kantine in der Frankfurter Zentrale. "Die Bank war ja mal ein Drittel größer", erklärt der 38-Jährige und meint dann resigniert: "Man lebt mit der Unsicherheit und hat sich fast schon dran gewöhnt."

Bei der Dresdner Bank ist der Abbau von etwa 2.500 Jobs geplant, davon rund 500 bei in- und ausländischen Töchtern. Die Gewerkschaft ver.di droht bereits mit einem Arbeitskampf, wenn die Allianz nicht über Beschäftigungs- und Standortgarantien verhandelt.

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"Die Leute werden langsam müde und sauer"

Gestrichen werden sollen dieses Mal Stellen in der Geschäftsabwicklung, der Kreditbearbeitung und in der Steuerung. Daneben werden die Bereiche Privat- und Firmenkunden, Investmentbanking und Konzernkunden sowie Dienstleistungen und Abwicklung neu gebündelt. Für 2008 rechnet die Bank dadurch mit Synergiegewinnen von 600 Millionen Euro.

Die Belegschaft zeigt sich von diesen Effizienzsteigerungsplänen wenig begeistert: "Die Leute werden stattdessen langsam müde und sauer", sagt eine 48-Jährige. "Und wer von uns heute sagt, er habe keine Angst um seinen Arbeitsplatz, der lügt." Ein Mitarbeiter aus der Personalabteilung schimpft: "Das ist doch eine Schande bei den Gewinnen!"

(ap)